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Die Zukunft des Wohnmobils - wohin geht die Reise?

Wie sieht die Zukunft des Wohnmobils aus? Sicherheitslage und Gesetzgebung, aber auch Umweltplaketten und Verbote von Verbrennungsmotoren sorgen für Turbulenzen. Wird es in 20 Jahren überhaupt noch möglich sein, mit dem Camper auf Reisen zu gehen?

Oliver vom Weltreiseforum ruft zu einer Blogparade zum Thema „Mobilität der Zukunft“ auf. In diesem Artikel möchte ich das Thema aus der Sicht der Camper, Wohnmobilisten und Vanlife-Begeisterten aufgreifen.

Vom Bulli zum Luxuscamper – und wieder zurück?

Mit einem spärlich ausgebauten Bulli der Anfangstage haben viele Luxuscamper heutzutage nicht mehr viel gemein. Ohne Frage haben sich Reisemobile im Laufe der Zeit stark gewandelt. Genügte im klassischen Bulli noch ein Bett und ein Gaskocher, so sind Reisemobile heute durchwegs luxuriös ausgestattet. Die Ausstattung reicht vom beheizten, doppelten Boden über Backöfen bis hin zum Marmorbad.

Die Hersteller fanden und finden für diese Fahrzeuge Abnehmer: Deutsche Führerscheine, die vor 1999 ausgestellt wurden, berechtigten zum Führen von schweren Wohnmobilen bis 7.5t. Jüngeren Wohnmobil-Reisenden aus Deutschland ergeht es jedoch so, wie Österreichern und Schweizern schon seit jeher: Ein Führerschein der Klasse B berechtigt nur zum Führen von Wohnmobilen bis 3.5t.

Bei 3.5 Tonnen ist es wesentlich schwieriger, großen Luxus in ein Reisemobil zu packen. Hersteller werden sich hier auf das Wesentliche besinnen müssen, und zudem in moderne Technologien und Leichtbau investieren. Auch in Hinblick auf zukünfte, alternative Antriebstechnologien werden Gewicht und Aerodynamik ganz neue Relevanz bekommen. Das Reisemobil der Zukunft ist daher wieder leichter und kompakter.

Problematische Zulassungszahlen und Sicherheitslage

Seit Aufkommen der Reisemobile verringerte sich die Freiheit, die ein solches bot, beständig. In den 70er und 80er-Jahren war es sicherlich noch in den meisten Ländern Europas möglich, an Seen und Meeresküsten in jeder schönen Bucht und jedem schönen Parkplatz sein Lager aufzuschlagen. Diese Zeiten sind leider vorbei.

Mit steigenden Zulassungszahlen von Wohnmobilen stieg auch die Anzahl der Verbotsschilder. Nicht alle Camper wissen sich zu benehmen, und jene, die dem besuchten Land außer Müll und Lärm nichts einbrachten, sorgten vielerorts für Unmut. Gesetze wurden entsprechend adaptiert und die Toleranz Wohnmobilisten gegenüber sank.

Eine Umkehr dieser Entwicklung ist zukünftig leider nicht zu erwarten. Die Zulassungszahlen steigen weiterhin, gleichzeitig werden die möglichen Reiseziele aufgrund der Sicherheitslage immer weiter eingeschränkt. Dies erhöht den Druck auf die verbleibenden Reiseziele.

Zukünftig ist daher mit einer weiteren Verschärfung von Gesetzen zu rechnen. Camper werden auf offizielle Stellplätzen und Campingplätze gelenkt werden. Dass diese Kanalisierung und Lenkung den Ursprungsgedanken des freien, unbekümmerten Reisens verfehlt, ist eine traurige Tatsache. Dem zu entkommen, wird aber immer schwieriger werden.

Das Dieselproblem des Wohnmobils

In Europa baut so gut wie jedes Wohmobil auf einem Diesel-Basisfahrzeug auf. Gründe dafür sind leicht zu identifizieren:

  • Hohes Drehmoment,
  • geringer Verbrauch und
  • (vielerorts) günstiger Treibstoff.

Doch zu diesen Vorteilen kommen nach und nach immer mehr Nachteile hinzu:

Umweltplaketten in europäischen Großstädten

Schon heute verbieten viele Großstädte eine Einfahrt per Umweltplakette: Wer nicht die neusten Schadstoffnormen erfüllt, bleibt draußen. Nun werden Wohnmobile aber oft über Jahrzehnte genutzt – zwar ist die jährliche Kilometerleistung gering, die neueste Schadstoffnorm kann aber logischerweise nicht mehr eingehalten werden.

Verbote von Verbrennungsmotoren

Mehrere Staaten Europas haben heuer bereits generelle Verbote von Verbrennungsmotoren angekündigt. Dies wird Wohnmobile natürlich hart treffen und den Einsatz von alternativen Antrieben erzwingen.

Bei aller Skepsis Verbrennungsmotoren gegenüber belegen Studien, dass Reisen per Wohnmobil eigentlich recht ressourcenschonend ist – zumindest verglichen mit Flugreisen und Hotelaufenthalten. Dies mag zukünftig Ausnahmen evtl. sachlich rechtfertigen, doch ob sich dafür eine Lobby findet, ist fraglich.

Die Zukunft des Wohnmobils ist elektrisch?

Für PKW können Elektro-Antriebe in vielen Fällen eine gute Alternative sein: So beträgt die täglich per PKW zurückgelegte Distanz in Österreich 2016 z.b. nur 36km. Ein modernes Elektroauto bewältigt problemlos ein vielfaches. Wohnmobil-Reisende nutzen ihren Camper aber völlig anders.

Eine Anreise in ein südliches Urlaubsland beträgt schonmal mehr als 1000km. Bei heute möglichen Reichweiten von Elektrofahrzeugen von 100-500km (und anschließenden, langwierigen Ladevorgängen) wäre das bereits für PKW eine mehrtägige Herausforderung (mit diesem Problem befasst sich auch dieser Beitrag zur Blogparade). Ein Wohnmobil müsste (dank Mehrgewicht und ungünstigem Luftwiderstand) müsste wahrscheinlich zehn Tage Anreise von Mitteleuropa nach Griechenland einkalkulieren.

Elektro-Studie von Dethleffs

Hersteller Dethleffs hat sich dennoch bereits heuer an eine Studie eines Elektro-Wohnmobils gewagt:

Der e.home ist ein rundum mit Solarpanelen bestückter Camper mit Elektroantrieb. 31 Quadratmeter Solarpanele leisten 3000 Watt. Nach einer Strecke von 200km will der Camper 24h lang geladen werden. Dies zeigt leider auch, wie weit der Weg diesbezüglich noch ist.

Technologie Transfer von LKW

Spediteure sitzen mit ihren LKW im gleichen Boot. Auch ein LKW kann mit heutiger Technologie nicht ganz Europa durchqueren. Logistische Prozesse müssen vielleicht überdacht werden: Ähnlich dem Postkutschensystem könnte man Zugfahrzeuge an strategischen Punkten wechseln, und nur den Anhänger weiterziehen. Vielleicht wird aber auch die Technologie entsprechend rasch weiterentwickelt, sodass Wohnmobile davon profitieren und Wohnmobile mit Elektroantrieb eine echte Option werden.

Wie Wohnmobil-Tourismus zukünftig aussehen könnte

Verringerte Reichweiten und verringerte Flexibilität mögen den Camping-Spaß zukünftig trüben, dennoch werden sich Wege finden:

Anreise auf Schiene

Zwar transportieren Autoreisezüge heutzutage normalerweise keine Wohnmobile – wenn es den Bedarf dafür gibt, darf gehofft werden, dass Bahnbetreiber ein entsprechendes Angebot schaffen. Dies würde den Nachteil von kurzen Reichweiten zu einem gewissen Grad kompensieren, und eventuell auf der oft ungeliebten An- und Abreise sogar für Entspannung sorgen.

Tauschakkus

Vielleicht kommt es aber auch viel einfacher, und irgendwann setzt sich ein Tauschakku-Standard durch. An Tankstellen wird man dann einfach einen Akku-Tausch durchführen können, und seine Reise wie gewohnt fortsetzen. Sofern es sich um eine Standardgröße handelt, wird man mit einem Wohnmobil ungleich öfter als ein PKW tauschen müssen, oder aber eine größere Anzahl Akkus aufnehmen müssen.

Anpassung des Reisestils

Wahrscheinlich wird es unmgänglich sein, den Reisestil etwas anzupassen. Die Anreise wird besser geplant sein müssen. Den Luxus, einfach 3 mal günstig vollzutanken, um dann am Ziel zu sein, wird es so nicht mehr geben. Man wird vielleicht frühzeitig den Autoreisezug reservieren müssen, der das Wohnmobil ins Reiseland befördert. Flexibilität wird dabei verlorengehen. Eventuell wird es passende Tausch-Akkus nur an gewissen Tausch-Stationen geben, sodass die täglichen Etappen penibel geplant werden müssen. Unerwartet kaltes Wetter und der damit entstehende Bedarf nach Heizung wird die Reichweite plötzlich beeinflussen.

Selbstfahrende Wohnmobile

Auf der Anreise hinten schlafen während das Wohnmobil fährt? Ein durchaus reizvoller Gedanke. Ich bin mir zwar nicht sicher, dass sich Google & Co. Bereits mit den speziellen Herausforderungen albanischer Bergstraßen beschäftigt haben, aber zumindest für lange Anreisen auf Autobahnen könnte dies einen echten Komfort- und Sicherheitsgewinn darstellen.