„Geht nicht“ sagte uns nicht nur ein Wohnmobil-Händler, nachdem ich unsere Pläne erläutert hatte: Da wir einen Großteil der Dachfläche für den Transport des Windsurf-Equipments benötigen, sollte die Solaranlage möglichst platzsparend montiert werden. Wir wir die Solaranlagen-Montage schlussendlich selbst bewerkstelligt haben, erfährst du hier.

Die Anforderungen an unsere Solaranlage

Ein Kastenwagen hat für sich genommen schonmal weniger Platz, als ein Teilintegrierter oder ein Integrierter. Er ist schmäler, und die Blechkarosserie fällt zur Seite hin ab. Je nach Modell ist dann ein guter Teil der Fläche durch Hekis, Notbelüftungen und Kamine verbaut. Bei uns kommt erschwerend dazu, dass wir einen Dachträger benötigen, und darauf drei bis vier Surfboards (ca. 230cmx70cm) eine 270cmx80cm große Dachbox (für Segel und Masten) befördern wollen. Da bleibt nicht mehr viel Fläche übrig.

Da wir aber bei unserem neuen Kastenwagen unbedingt einen Kompressorkühlschrank haben wollten, kommen wir ohne Solaranlage definitiv nicht aus. Schließlich sind wir keine Campingplatz-Urlauber. Ungefähr 200 Watt wollten wir haben, und die Solarmodule sollten möglichst nicht von Surboards und Dachbox abgeschattet werden.

Die Händler-Vorschläge

  • „Wir kleben die Solarmodule aufs Dach, und sie befestigen die Surfboards darüber. Am Ziel müssen Sie dann abladen!“
  • „Wir kleben ein 80 Watt Modul quer aufs Dach, mehr geht sich nicht aus“
  • „Lassen Sie die Surfboards zuhause, das wird nichts“

So klangen einige der gut gemeinten Händler-Vorschläge, die leider völlig am Ziel vorbeischossen. Wir kaufen uns doch keinen neuen Kastenwagen, um dann dadurch in unseren Unternehmungen eingeschränkt zu werden. Am Ziel abzuladen ist garantiert keine Option. Wir fahren ja nicht an ein Ziel, um dort drei Wochen zu bleiben. Meist wird nur ein Board (das gerade passende) abgeladen, der Rest bleibt am Dach. Und wenn wir mal 5 Tage nicht surfen, wollen wir nicht das Material abladen müssen, nur, um Strom zu haben.

Das Bestreben, sich wirklich mit unseren Anforderungen zu beschäftigen, war enden wollend. Das Angebot für 80Watt sollte 1500 Euro kosten – definitiv zuviel. Daher hieß es: Selbst recherchieren, rechnen und überlegen.

Unser Solar-Plan

Der Plan war bald klar: Um für den Surfkram genügend Platz zu haben, ohne die Solarmodule abzudecken, würden sie links und rechts der vorderen Dachluke platziert werden müssen.

Solar am Dach des Kastenwagens

Beim ursprünglich anvisierten Roadcar R640 wäre dies allerdings schwierig geworden: Das dort verbaute Midi-Heki nahm zuviel Platz in Anspruch, die Solarpanele hätten weit nach außen rücken müssen. 

Dass der schlussendlich gewählte Knaus Boxlife 630ME „nur“ ein Mini-Heki hat, kam uns also entgegen. Dennoch war auch hier die Händler-Reaktion wieder „geht nicht. Das geht sich nicht aus“. Wir sahen das anders, und legten uns einen Plan zurecht.

  • Zwei 100 Watt Module
  • Module mit möglichst kompakten Abmessungen
  • Möglichst leichte Module
  • Thule Smartclamp als Dachträger: Dieser hat eine hohe Traglast und ist dank T-Nut flexibel, was weitere Aufbauten angeht. 
  • Stabile Alu-Konstruktionsprofile zur Befestigung der Solarpanele auf dem Thule-Träger.
  • Elektronische Markenkomponenten von guter Qualität

Aufgrund des Dachträgers würden wir nicht kleben können. Das war uns eigentlich auch lieber, denn bei einer Solar-Montage am Dachträger kann man später problemlos Module tauschen oder zum nächsten Mobil mitnehmen. Geklebte Module sind da nicht so pflegeleicht.

Vorbereitungen des Händlers

Den Thule-Träger kauften wir mit dem neuen Kastenwagen gleich mit. Er kostete inklusive Montage und zweier Querträger in der hohen Version ca. 1000 Euro. Teuer daran sind die Querträger, doch die Höhe erlaubt uns, die hintere Dachluke zumindest etwas zu öffnen. 

Außerdem ließen wir die Dachdurchführung durch den Händler erledigen. Bei einem neuen Fahrzeug mit Garantie hielten wir es für keine gute Idee, da selbst Hand anzulegen.

Dachdurchführung Wohnmobil

Da unser Kastenwagen später als geplant geliefert wurde, und uns die Zeit ausging, baute unser Händler auch noch Batteriecomputer und Solarregler ein.

Unsere Solar-Einkaufsliste

Nun ging es ans Einkaufen. Nach langer Recherche, und dennoch verbleibender Unsicherheit, fiel unsere Wahl auf folgende Komponenten.

Solar-Laderegler

Unsere Wahl fiel auf Victrons SmartSolar 100/20. Damit haben wir Reserven, und betreiben unseren Regler nicht am Limit. Wir können sowohl parallel, als auch in Reihe verkabeln, da der Regler sowohl mit einer höheren Spannung, als auch mit einer höheren Stromstärke umgehen kann. Zudem könnten wir theoretisch später die Solaranlage etwas erweitern.

Die SmartSolar-Reihe wartet mit integriertem Bluetooth-Dongle auf: Die aktuellen und historischen Leistungsdaten des Reglers kann man so einfach am Smartphone abrufen. Dadurch ersparen wir uns den Einbau eines neuen Displays.

Victron SmartSolar MPPT Laderegler 100/20 12V 24V 20A Solarladeregler Bluetooth integriert
  • Nennladestrom 20A bei bis zu 100V Moduleingangsspannung- Maximale PV Leistung bei 12V Systemspannung 290W / 580W bei 24V Systemspannung
  • Kein Zusatzgerät für Smartphone Kopplung mehr notwendig dank integriertem Bluetooth Dongle
  • VE.Direct Kommunikationsport für Anschluss an Color Control Panel oder für Fernanzeige MPPT Control
  • Programmierbarer Batterie-Ladealgorithmus - Tag/Nacht Zeitsteuerung und Lichtdämmungsoption
  • Schutz vor Verpolung an Batterie (Sicherung), Ausgangskurzschluss und Übertemperatur - Maße: 100 x 113 x 60mm

Batteriecomputer

Ein Solar-Laderegler weiß nur, was er geleistet hat. Er kann aber nicht messen, wieviel Strom durch diverse Geräte verbraucht wurde. Für autarke Camper ist das daher nicht ausreichend: Die Solar-Leistung kann toll aussehen, aber wenn man mehr verbraucht, als man generiert, wird man irgendwann ohne Strom sein.

Die in den meisten Wohnmobilen verbauten Anzeigen sind höchst ungenau: Sie messen die aktuelle Spannung der Batterien, und leiten daraus einen Ladezustand ab. Unterschiedliche (und unterschiedlich alte) Batterien unterscheiden sich hier aber beträchtlich. Es handelt sich daher nur um einen Schätzwert.

Ein Batteriecomputer misst aber genau, wieviel Strom in die Batterie fließt, und wieviel wieder entnommen wird. Er kennt den Ladezustand daher punktgenau. Er kann vorhersagen, wie lange die Batteriekapazität noch ausreichen wird, und kann die Batterie vor Tiefentladung schützen. 

Auch hier greifen wir wieder zu Victron. Der BMV 712 hat ebenfalls wieder eine Bluetooth-Anbindung, diesmal kommen wir aber um den Einbau eines Displays nicht herum.

Victron BMV-712 Smart Batterie-Monitor Computer Überwachung
  • Mit integriertem Bluetooth - sehen Sie alle relevanten Daten direkt auf Ihrem Smartphone oder Tablet
  • Einfache Installation - kinderleichte Montage, auch ohne Fachkenntnisse
  • Überwachung der Mittelpunktspannung - wenn Batterien in Serie geschaltet sind, kann durch die Messung der Mittelpunkts Spannung eine rechtzeitige Warnmeldung erzeugt werden.
  • Sehr geringe Stromaufnahme von der Batterie - Stromverbrauch: 0,7 Ah pro Monat (1 mA) bei 12 V und 0,6 Ah pro Monat (0,8 mA) bei 24 V
  • 5 Jahre Gewährleistung- wie üblich bei Victron Energy-Geräten erhalten Sie auch hier eine üppige 5 Jahre Gewährleistung

Solar-Module

Bei den Modulen fiel unsere Wahl schließlich auf die SPR-Ultra-100 von Offgridtec. Hier erhält man 110 Watt auf kompakter Grundfläche. Das Gewicht ist mit etwa 7kg auf der leichteren Seite. Back-Contact hilft beim Platz-Sparen und die Online-Berichte über die verbauten Sun-power-Zellen lesen sich durchwegs positiv. Mit 200 Euro pro Modul muss man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen.

Offgridtec SPR-Ultra-100 110W 12V High-End Solarpanel
  • Rückseiten kontaktierte monokristalline Sun-Power Solarzellen für noch höheren Wirkungsgrad und edlere Optik, da die Leitfäden bei diesen Modulen unsichtbar sind (Back-Contact). Wirkungsgrad >20%
  • Leistung: 110W; Spannung:17,6V -Ideal für 12V-Systeme (Wohnmobile, Boote, Gartenhäuser etc.)
  • Schwarzer Rahmen aus eloxiertem Aluminium (Black-Frame), speziell gehärtets ESG-Solarglas
  • Maße: 54,0 x 105,5 x 3,5 cm; Gewicht: 6.9KG
  • Markenware von Offgridtec in bewährter Qualität

Alu-Profile von Bosch-Rexroth

Am schwierigsten aufzutreiben waren Alu-Profile. Online werden diese fast nur von Großhändlern angeboten. Auf ebay gibt es zwar einige Händler (Affiliate-Link) doch da war es online wieder schwer, Daten zu erhalten (Traglast, passende Nutensteine, usw.). Schlussendlich kauften wir Original-Profile von Bosch-Rexroth, die sicherlich im Vergleich zu ebay-Anbietern überteuert erscheinen. Wir waren aber unter Zeitdruck, und wollten ein bekanntes System, zu welchem wir dann auch passende Verbindungskomponenten bekommen würden.

Die Solar-Montage am Dach

Anprobe und Anzeichnen

Als erstes machten wir eine „Anprobe“ am Dach. Dazu legten wir die Aluprofile quer über die Dachträger, und darauf dann die Solarmodule. Schien zu passen. Als nächstes wurde daher gemessen, angezeichnet, und alles wieder vom Dach geholt.

Aluprofile für Solarmontage am Wohnmobil

 

Solar-Anprobe am Dach

Rahmen-Bau für die Solarmodule

Nun wurden die Aluprofile auf die richtige Länge geschnitten. Leider habe ich kein vernünftiges Werkzeug für so etwas, daher musste die Handsäge herhalten. Bei 30°C sehr lustig!

Durch die Rahmen der Solarprofile wurden nun jeweils drei Löcher gebohrt. Nun kamen sogenannte Nutensteine in die T-Nut der Profile, und in diese Nutensteine konnten nun M6-Schrauben gedreht werden. So wurden die Solarprofile fest mit den Aluprofilen verbunden.

Das Ergebnis wirkt sehr stabil. Insgesamt wiegt es nun 24kg. 

     

Solar-Rahmen aus Aluprofilen

Solarmodul-Befestigung am Dach

Zu zweit konnten wir den Rahmen nun aufs Dach heben – er passte perfekt. Die Dachluke wird perfekt eingeschlossen, lässt sich aber weiterhin ohne Einschränkungen öffnen.

Solar-Montage

Der Rahmen wurde nun mit Winkeln, Nutensteinen und Schrauben am Thule-Träger befestigt.

Die verschiedenen Nut-Standards waren eine Herausforderung und erforderten ein wenig Probieren. Die gekauften Thule-Hammerkopfschrauben kamen mit Flügelmuttern, welche ich auch gleich eingesetzt habe: Zwar erhöht sich durch unsere Konstruktion die Höhe des Fahrzeugs nicht, und wäre ohnehin nicht eintragungspflichtig. Aber so können wir theoretisch die Solarpanele zur Reinigung in ein paar Minuten abnehmen.

Befestigung von Solarmodulen mit Nutensteinen

Während der Arbeit empfiehlt es sich übrigens, die Module mit Kartons abzudecken, da sie ansonsten bereits arbeiten und die Leistung aber nur in Hitze umsetzen können.

Durch unsere gewählte Solar-Montage am Dachträger sind die Solarmodule automatisch hinterlüftet, und sorgen für einen Tropendach-Effekt.

Auf die Enden der Aluprofile kamen nun noch Endstopfen zwecks der optischen Erscheinung.

    

Die Verkabelung der Solarmodule

Wirklich einfach ist die Verkabelung per MC4-Stecker: Einfach zusammenstecken! Die Stecker sind verpolungssicher, falsch geht also nicht. Wir probierten es initial in Reihe, verwendeten dann aber die passenden Adapter für die Parallelschaltung. Genaue Tests folgen dann unterwegs.

Verkabelung Solarmodule

 

Funktioniert die Anlage?

Ja, das tut sie 🙂

Bezüglich Leistung haben wir noch keine richtigen Erfahrungswerte, sondern nur mal ein paar Testwerte. Kaum waren die Module angesteckt und die Kartons entfernt, zeigte unsere Bluetooth-Verbindung bereits etwas an, obwohl wir unter dem Carport parkten.

Testweise rollten wir nach vorne auf die Straße (da unsere Nachbarn uns eingeparkt hatten, konnte ich nicht komplett nach draußen), und siehe da: Sofort hatten wir 76 Watt. 

Wie gut oder schlecht das ist, wissen wir nicht, aber angesichts der Abendsonne um 17:15 erschien es uns durchaus passabel.

Am nächsten Tag testeten wir am früheren Nachmittag, und erzielten gleich 160W. Der Himmel war leicht bewölkt, somit denken wir, dass alles gut funktioniert. Die 10%, die die Aufbaubatterien entladen waren, hatte die Solaranlage jedenfalls gleich wieder ersetzt.

Das Ergebnis unserer Solar-Montage

Was sollen wir sagen? So gut hat ein Plan noch selten funktioniert. Obwohl wir im Vorfeld keine genauen Maße der Dachfläche hatten, und noch weniger genau wussten, wie der Thule-Träger positioniert sein würde, ist das Ergebnis genau wie erhofft. 

Solar-Montage für Surfer

Mögliche Probleme

Ja, die Dachbox und die Surfboards können bei ungünstiger Positionierung Schatten werfen, aber daran muss man beim Parken halt denken. Verbessern könnte man das Ergebnis nur noch, indem man entweder den Surfkram oder die Solarmodule auf einem Schienensystem montiert, sodass man den Abstand zwischen den beiden im Stand vergrößern kann. Das bedeutet aber auch wieder Zusatzgewicht und Aufwand.

Wenn die vordere Dachluke geöffnet wird, reduziert sie die Solarleistung etwas. Damit müssen wir leben. Wir werden einfach versuchen, zwischen 10:00 und 14:00, wenn die Solarleistung am größten ist, die Dachluke zu schließen. Nachts, wenn man die Luke am dringendsten benötigt, ist der Solaranlage jede Abschattung egal.

Fazit

Wir sind ziemlich glücklich mit dem erzielten Ergebnis. Die Solar-Montage lief pannenfrei ab, und wir können unser Surfmaterial weiterhin am Dach transportieren. Wie sich die Lösung unterwegs bewährt, beschreiben wir in späteren Artikeln.

Letzte Aktualisierung am 23.09.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?