Nach unserem kurzen Aufenthalt am Livadi-Beach bei Himarë fahren wir mit dem Kastenwagen an der Küste entlang weiter in Richtung Süden. Wir haben keine konkreten Pläne und lassen das Land auf uns wirken. Die Küste ähnelt hier ein wenig jener in Dalmatien, und um einen Geheimtipp handelt es sich auch nicht mehr: Hier ist der Tourismus angekommen. Wir besichtigen einige Strände und stellen uns zum Schluss noch einem Abenteuer: Der Seilfähre von Butrint!

Küste in Südalbanien

Albanien zwischen dem Llogara-Pass und Sarendë 

Südlich des Lloraga-Passes finden sich einige, schöne Strände, die offensichtlich auch bei Wildcampern beliebt sind. Insbesondere die Strände in Borsh und Piqeras haben uns angesprochen: Dort gibt es Platz, nicht zuviel Trubel und wir sehen einige Wohnmobile. Wir sind allerdings gerade erst aufgebrochen, weshalb wir unseren Weg fortsetzen.

Hier der große Strand von Borsh:

Strand bei Borsh

Und hier der etwas kleinere bei Piqueras:

Strand bei Piqueras, Albanien

Wohnmobil bei Piqueras, Albanien

Wem Freistehen weniger liegt, der findet entlang der Hauptstraße immer wieder sehr einfache Campingplätze mit teils sehr engen (und auf alle Fälle nicht asphaltierten) Zufahrten.

Die Hauptstraße selbst ist hier übrigens in ganz ausgezeichnetem Zustand, und auch für große Wohnmobile perfekt geeignet.

Ein einsames Wohnmobil sehen wir bei Porto Palermo. Die dortige Ruine wirkt ein wenig wie eine Arme-Leute-Version von Sveti Stefan in Montenegro.

Wohnmobil in Porto Palermo, Albanien

Unerwartet schnell sind wir kurz vor Sarande, und was wir nicht wissen ist, dass man 15km vor der Stadt keinen Meerzugang mehr hat: Man steckt da hinter einer Hügelkette, und kann das Meer rechts nur erahnen.

Straße vor Sarande

Sarandë 

Viel zu schnell kommen wir daher in Sarandë an (wir hätten wohl doch eine längere Pause an einem der Strände einlegen sollen). Die Stadt bietet das übliche Touristen-Einerlei, das uns überhaupt nicht zusagt. Lustig finden wir, dass die Personen, die auf der Straße Apartments per Schild anpreisen, dass dem Verkehr entgegengehalten wird, auch vor unserem Wohnmobil nicht halt machen. Eifrig werden wir zur Einkehr aufgefordert. Wohnmobile scheinen also noch nicht allzu bekannt zu sein – auch, wenn man sie an den Stränden zahlreich antrifft.

In Sarandë hält uns jedenfalls nichts, und so fahren wir nur durch. Das bedeutet für sich schon ein wenig Abenteuer. Die parkenden PKW zwingen uns oft auf die Gegenfahrbahn, wo dann schonmal ein rasanter Albaner um die Kurve hetzt. Allgemein müssen wir aber sagen, dass in Albanien unserer Wahrnehmung nach gesitteter gefahren wird, als in Montenegro oder Bosnien. Dort wurden wir andauernd (und oft anscheinend nur aus Prinzip) überholt, während sich hier oft eine lange Kolonne hinter uns bildet, wenn wir zum Ducato-Bremsen-Schonen langsam einen Berg hinabrollen. Erst, wenn wir rechts blinken und so zum überholen auffordern, fahren die Autos an uns vorbei. Allerdings werden Kurven gerne geschnitten, und auch ein entgegenkommendes Auto ist dann kein Grund, auf die eigenen Fahrspur zurückzukehren. Darum muss man schon per Hupe freundlich bitten.

Von Sarandë nach Butrint

Weiter geht’s von Sarande nach Butrint. Auch hier herrscht viel Trubel, und die Strände, die wir sehen, sind uns zu voll. Sonnenschirm-Meere sind das unsrige nicht. Allerdings haben wir zugegeben keine der engen Zufahrten zu etwas abgelegeneren Stränden ausprobiert.

Strand bei Butrint

Die Seilfähre von Butrint

Es gibt da eine Fähre aus Holz, die von Seilen über den Fluss gezogen wird. Erbärmlicher Zustand, fahr da herum, mach das nicht!“ sagte ein Kollege über die Seilfähre in Butrint. Sicherlich ein gut gemeinter Rat, aber wenn man schonmal an ein so außergewöhnliches Verkehrsmittel gerät, dann finden wir es wirklich schwierig, dazu „nein“ zu sagen.

Und als wir unvermutet am Ende der Straße ankommen, weil davor plötzlich ein Fluss, aber keine Brücke ist, so reihen wir uns gleich in die (kurze) Warteschlange ein. Der Parkplatz rechts der Straße ist übrigens nicht für die Fähre gedacht, verärgert weist uns ein Parkwächter hier wieder weg. Hier parkt man, wenn man den Butrint-Nationalpark oder die archäologische Stätte (mit Basilika, Burg, Amphitheater und historischer Stadtmauer) besichtigen möchte.

Archäologische Städte im Nationalpark Butrint

Wir fahren aber gleich danach auf das wackelige Holzkonstrukt, das ohne Frage schon bessere Tage gesehen hat.

Der teuerste Tarif ist den Wohnmobilen vorbehalten, und kostet €10 (unabhängig von der Anzahl der Reisenden im Wohnmobil). Euros werden, wie fast überall in Albanien, anstandslos akzeptiert.

Die Fahrt dauert vielleicht zwei Minuten, und so muss man sich sputen, wenn man gute Bilder von der Überfahrt machen will.

  

Fähre und Camper überstehen die Fahrt ohne Vorkommnisse, und so können wir noch kurz die venezianische Dreiecksburg am anderen Ufer besichtigen, sowie nachfolgende Überfahrten fotografieren.

Von Butrint zur griechischen Grenze

Womit wir nicht ganz gerechnet haben (ja, hätte man recherchieren können, aber wir lassen uns nunmal gerne überraschen) ist, dass nach Butrint nicht mehr viel Albanien kommt. Insbesondere gibt es keinen Zugang zum Meer mehr, somit gibt es hier keine Strand-Pause mehr. Stattdessen versuchen wir, unsere letzten LEK zu verbrauchen. Das ist schwierig:

Wir essen zu Mittag, das kostet zu zweit (griechischer Salat und Taskebab mit Getränken) aber nur ein paar Euro, somit haben wir danach immernoch ca. €20 in LEK übrig. Ich probiere Taskebab, eine griechische Gulasch-Variante, Olya genehmigt sich den ersten griechischen Salat, den es hier bereits gibt.

 

In Mursi versuchen wir unser Glück beim Minimarkt, der hat aber geschlossen. Naja, die Lek bleiben dann fürs nächste mal.  

   

Fazit

Südalbanien hat schon seinen Reiz, und im Nachhinein ärgern wir uns etwas, zu schnell durchgerauscht zu sein. Wir sind halt immer auf der Suche nach dem perfekten Platz hinter der nächsten Kurve, und wenn dann plötzlich die griechische Grenze vor uns auftaucht, wollen wir auch nicht mehr zurückfahren. Die südalbanische Küste hat uns jedenfalls viel besser gefallen als jene im Norden, die wir 2013 besucht haben. Die Strände sind leider nicht sooo zahlreich und bereits gut bewirtschaftet und besucht. Der griechische Einfluss ist hier spürbar, nicht nur, was das Essen betrifft. Ob wir wiederkommen? Nunja, irgendwann wahrscheinlich schon. Beim nächsten Mal werden wir aber eine Route durchs Bergland planen.