Wir im Mobilheim? Ja, du hast richtig gelesen. Die langen Wohnmobil-Lieferzeiten zwingen uns in diesem Frühjahr, alternative Camping-Varianten auszuprobieren. Hier unser Bericht über unser langes Wochenende in Biograd.

Fünf Stunden Fahrt für ein langes Wochenende?

Freunde wollen uns überzeugen, für ein langes Wochenende doch mit ihnen nach Biograd in Kroatien zu kommen.

  • Doch wir haben ja gerade kein Wohnmobil, das neue soll erst im Juni geliefert werden.
  • Wo organisieren wir so kurzfristig einen Katzen-Sitter?
  • Sind fünf Stunden Fahrt nach Dalmatien nicht doch zu weit für ein Vier-Tages-Wochenende?
  • Reicht nicht auch Istrien?

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Warum Camping ohne Wohnmobil gar nicht so reizvoll ist

In Istrien ist das Wetter schlecht“, meinen unsere Freunde. „Du wirst alt“ werde ich aufgezogen.
Mag sein (ich nenne es „vernünftiger werden“), aber hauptsächlich liegt die mangelnde Begeisterung daran, dass wir halt gerade kein Wohnmobil haben, und Reisen mit dem PKW umständlich sind, geprägt von spießiger Planung und fixen Buchungen. Von null weg einpacken und dann nach ewiger Packerei doch wieder vieles vergessen zu haben ist einfach nicht mehr unseres.

Warum Camping auch ohne Wohnmobil dann doch besser als nichts ist

Am Tag der vermeintlichen Nicht-Abfahrt packt mich dann doch das Fernweh. Das Wetter scheint gut zu werden, und Meer, Sonne und ein paar Biketouren sind dann doch zu verlockend. Ein Telefonat mit Olya später gibt’s auch eine Freigabe ihrerseits. Wohnmobil hin- oder her, das Reisefieber schlägt mal wieder zu. Mama betreut die Katze, schnell ist ein Koffer gepackt, weniger schnell sind die Mountainbikes am Autodach angebracht (Der umständliche Thule-Träger für den PKW wurde seit Jahren nicht benötigt).
Schlussendlich fahren wir also doch.

Warum ein Mobilheim?

Unsere Freunde vor Ort checken Preis und Verfügbarkeit eines Mobilheims. Damit wären wir am selben Campingplatz, wo auch unsere Freunde mit ihrem Wohnwagen Station machen. Und da wir dort immerhin die Mountainbikes sicher abstellen können, reservieren wir das Mobilheim auch. Die Alternative wäre eine gut bewertete Pension mit Frühstück um etwas weniger Geld. Aber so sind wir näher bei unseren Freunden, haben Campingplatz-Atmosphäre, und müssen uns das Frühstück selbst kochen. Nur Vorteile also! 😉

„Mobilheim“, quasi ein stehendes Wohnmobil. Das muss man vielleicht einmal probiert haben. Oder so. Es wird schon passen.

Die Anfahrt nach Biograd

Aufbruch ins lange Wochenende – immer wieder ein Hochgenuss. Alleine das Erreichen der Autobahn dauert dreißig Minuten, für weitere zwanzig Minuten fahren wir dann mit 30km/h auf der Autobahn. So würden wir nie ankommen.
Glücklicherweise löst sich der Verkehr danach immer mehr auf. Bei Maribor biegt der Tross nach Istrien ab, nur wir sind so verrückt, für die paar Tage nach Zagreb und weiter nach Dalmatien abzubiegen. Ab nun ist es eine ruhige Fahrt, mit etwas Nieselregen im Velebit-Gebirge, ansonsten aber keinen Vorkommnissen.

Die 7-Tages-Vignette für Slowenien kostet 15 Euro, Kroatien knöpft uns für die Strecke in den Süden ca. 22 Euro ab. Da soll jemand sagen, Vignetten-Maut sei teuer.

Urlaub im Mobilheim

Um 23:00 kommen wir dann am Camp Soline an. Der Nachtwächter überreicht uns Schlüssel, einen Plan des riesigen Areals, und wir suchen im Dunkeln erstmal 15 Minuten lang den richtigen Container.

Der erste Eindruck

Der Parkplatz vor dem Mobilheim ist etwas eng dimensioniert, und der gemauerte Betonsockel knapp über dem Boden ist nicht gerade geschickt, da nachts nicht sichtbar, und somit zerkratze ich mir gleich mal den Seitenschweller am PKW. Naja, ist immerhin nur ein PKW, kein Wohnmobil.

Beim Betreten des Mobilheims ist der Erste Eindruck erstmal durchwachsen. Es riecht feucht, offensichtlich war das Mobilheim in dieser Saison noch nicht in Verwendung.

Grundriss unseres Mobilheims

Unser Mobilheim hat links und rechts jeweils ein Schlafzimmer mit angeschlossenem, vollwertigen Bad. Jedes Bad ist mit WC, Dusche und Waschbecken ausgestattet. Ein Bad weist ein Doppelbett auf, das andere zwei Einzelbetten.
Dazwischen ist Küche/Essbereich, der gleichzeitig unser Bike-Abstellplatz wird.
Das Platzangebot ist durchaus großzügig. Jedenfalls, wenn man Kastenwagen gewohnt ist.
Vor dem Mobilheim gibt es eine Terrasse mit Tisch und vier Stühlen. Der Bauzaun daneben, an dem man versucht, eine Pflanze hochwachsen zu lassen, sorgt fürs südländische Flair.

Ausstattung unseres Mobilheims

Bettzeug ist vorhanden, Handtücher und Geschirr/Gläser ebenso. Es fehlen aber alle Küchen-Basics (Salz, Öle, Schwamm, Spülmittel), d.h. man sollte das alles mitbringen. Haben wir natürlich nicht gemacht. Der erste Weg am Morgen führt daher zum Supermarkt.

Ausgeführt ist alles im Containerstil, ist ja schließlich auch quasi einer. Klapprig, leicht, nicht mehr immer ganz funktional.

Steckdosen sind etwas knapp bemessen. In der heutigen Zeit, wo abends jeder drei oder mehr Geräte ansteckt, ist eine einzige Steckdose im Schlafzimmer wenig. Wir stecken also den Fernseher und die Klimaanlage in der Küche aus, um mehr Steckdosen zur Verfügung zu haben.

Die Küche hat einen Gasherd. Ich traue ihm zwar nicht über den Weg, er ist mit Piezo-Zünder aber bequem zu bedienen und funktioniert problemlos.

Einen Besen gibt es schlussendlich auch noch. Zwar werden 30 Euro für die Endreinigung verrechnet, aber wenn zwischen Endreinigung und neuer Saison ein Winter liegt, können sich schon mal viele Ameisen zum Sterben ins Mobilheim begeben.

Packliste fürs Mobilheim

Mit unserem neu gewonnenen Wissen würden wir folgende Packliste fürs Mobilheim empfehlen. Jedenfalls, wenn man vorhat, die Küche auch zu nutzen:

  • Schwamm oder Lappen
  • Spülmittel
  • Salz, Pfeffer, Essig, Öl
  • Strandtücher (die Handtücher im Mobilheim sind dafür nicht vorgesehen)
  • Duschgel
  • Bialetti-Herdkanne oder andere Kaffeemaschinen
  • Trinkwasser

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Kosten des Mobilheims am Camp Soline in Biograd

Wir bekommen ein Frühjahrs-Special: Vier Nächte zum Preis von drei.

  • Die Nacht kostet 49,
  • Endreinigung nochmals 30 Euro zusätzlich,
  • plus Ortstaxe und Anmeldegebühren.

Das kommt dann für vier Tage/Nächte auf ca. 190 Euro. (Die erwähnte Pension hätte 188 gekostet. Vielleicht der bessere Deal, wenn man sich nicht einbildet, am Campingplatz sein zu müssen und teure Mountainbikes herumkarren zu müssen?)

Immerhin ist das Personal an der Rezeption kooperativ, und wir bekommen aufgrund des Baulärms einen ordentlichen Rabatt: Wir bezahlen keine Endreinigung und bekommen noch 20% obendrauf. Das ist für uns ok, da wir viel Zeit ohnehin außerhalb des Platzes verbrachten. Für reine Relaxurlauber wäre wohl auch ein Rabatt nicht zufriedenstellend, wenn die Erholung auf der Strecke blieb.

Das Camp Soline in Biograd

Der Campingplatz ist ok, ein solider, kroatischer Campingplatz. Parzellierte Stellplätze auf Terrassen ermöglichen ebene Stellplätze im Schatten von Pinien. Doch Achtung: Bei der Abreise putzen wir erstmal mit Nagellackentferner die Frontscheibe, um das Pinienharz loszubekommen.

Die Sanitäranlagen sind nicht sonderlich modern, zu benutzen sind die Duschen nur mit Chip, der auch die Anzahl und Länge der täglichen Dusch-Aufenthalte limitiert.

Der Ausblick auf die Insel Pasman ist schön, der Strand allerdings nur teilweise ein Kiesstrand. Der übrige Zugang erfolgt über Betonstufen und dann auf grobe, teils scharfkantige Steine. Badeschuhe sind hier Pflicht.

Biograd na Moru

Der Ort Biograd selbst ist weder richtig klein, noch richtig groß. Er ist für uns auch nicht richtig reizvoll – zu touristisch ist die Strandpromenade. Im Sommer ist es hier sicherlich sehr voll, doch jetzt sind dreiviertel der Lokale noch gar nicht richtig aufgebaut. Auch das sieht nicht sonderlich schön aus.

 

Aktivitäten in Biograd

Spaziert man am Strand entlang, wird klar, welche Klientel hier in der Hochsaison Urlaub macht. Strandbude reiht sich an Strandbude, von Eis über eine Wasserrutsche bis hin zum 9D-Cinema findet sich hier jede Art der Bespaßung. Wir würden es hier in der Saison keine fünf Minuten aushalten.

Jetzt, im Mai, ist aber noch fast alles geschlossen, und die Anzahl der Touristen ist (gerade noch) erträglich.

Wir machen einige Ausflüge mit den Mountainbikes, unter anderem auf die gegenüber liegende Insel Pasman und zum Vrana-See. Den Rest der Zeit wird relaxt bzw. gespeist.

 

Essen in Biograd

Wir testen das Restaurant direkt am Camp Soline, und bereuen das sehr. So schlecht haben wir vielleicht überhaupt noch nie in Kroatien gegessen. Olya lässt ihr Essen zurückgehen. Das macht sie nie, ihr ist so etwas peinlich. Es geht diesmal aber wirklich nicht anders – die in Mayonnaise schwimmenden, zu Tode gekochten Tagliatelle kann niemand ohne Gesundheitsgefährdung essen. Die Köchin wirft ihr böse Blicke zu, und der gewässerte Wein verbessert den Gesamteindruck nicht.

Dies tut dann aber der Besuch im „Bistro Stari Grad“ neben der Kirche von Biograd. Wahnsinnig aufmerksames Service, Gruß aus der Küche und ausgezeichnetes Essen versöhnen uns umgehend wieder mit der kroatischen Küche. Wir essen schwarzes Risotto, es schmeckt grandios. Das Gericht kennen wir ursprünglich aus Barcelona, doch da sich die Tinte zum Selbstkochen in Österreich relativ schwer auftreiben lässt, essen wir es seither auch gerne in Kroatien. Die Tripadvisor-Bewertungen sind nur beschränkt aussagekräftig, da das Restaurant seit 2018 einen neuen Betreiber hat. 

 

Die (aufs Meer blickend) Strandbar ganz rechts vor dem Camp Soline kocht solide, dies wird unser Mittags-Stopp. Es muss einen Grund haben, warum sie immer voll ist, und das Restaurant daneben immer leer.

Baulärm am Campingplatz

Wann ist der beste Zeitpunkt für laute Bauarbeiten? Natürlich an einem langen Wochenende, wo man weiß, dass Gäste kommen!

Was macht man dann?

  • Man dreht das Wasser stundenlang und ohne Vorwarnung ab.
  • Man gräbt die gesamte Straße auf, sodass
    • ältere Gäste kaum mehr zum Strand oder zurückkommen können
    • es bei einem Brand kein Entkommen gibt
    • medizinische Notfälle von den Bauarbeitern mit einem Schulterzucken quittiert werden. (Unsere Freunde wollten tatsächlich mit ihrem Kind ins Krankenhaus fahren, waren aber eingesperrt)
  • Man schickt den LKW mit Schotter morgens, um ihn direkt neben bewohnten Mobilheimen abzuladen, sodass sich die Staubwolke über das Frühstück legt. Danach fährt ein Bagger eine Stunde lang auf und ab – ein echtes Naturerlebnis!

Bagger am Camp Soline in Biograd

Beschwerden bei der Rezeption werden zuerst mit „ist nicht unser Problem, für die Arbeiten ist die Stadt zuständig“ quittiert. Das hilft uns als Gästen leider nicht. Immerhin gibt es dann aber ein Einsehen, und es wird nicht der volle Preis verrechnet.

Fazit

Der Aufenthalt in Biograd war großteils schön, was dem Wetter und der Vorsaison geschuldet war. Im Hochsommer ist der Ort nur jenen zu empfehlen, die Trubel suchen. Ruhesuchende könnten ein paar Kilometer weiter südlich in Pakostane mehr Glück haben – wobei Ruhe in der kroatischen Hochsaison relativ ist. Das Mobilheim war für uns eine neue Erfahrung, und wir können nun mit Sicherheit sagen, dass es für uns keine Alternative zum Wohnmobil ist. Es ist aber sicher eine günstige Variante, am Campingplatz relativ bequem Urlaub zu machen. Der Baulärm hat das Erlebnis etwas getrübt, aber wir konnten glücklicherweise per Fahrrad entfliehen.

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