Eigentlich startet unsere Artikelserie zur großen Wohnmobil-Reise 2018 ja erst diese Woche, doch Mike von ousuca ruft zu einer Blogparade zum „schönsten Outdoor-Erlebnis 2018“ auf. Daher ziehen wir ein Erlebnis vor, das eigentlich erst irgendwann im Dezember an der Reihe wäre, und berichten bereits heute vom See Aoou.

Wo liegt der See Aoou?

Nicht in Norwegen oder Neuseeland, auch nicht in Schottland liegt der See Aoou, sondern in Nord-Griechenland. Genauer gesagt in der Region Epirus, und er ist am einfachsten von der Autobahn Via Egnatia zu erreichen, wenn du diese bei Metsovo verlässt, und am Ort Metsovo vorbei Richtung Norden fährst.

See Aoou von Open Streetmaps

Karte (c) openstreetmap.com

Kennst du den See Aoou?

Nein? Naja, so ging’s uns auch. Noch nie gehört. Wir sind uns bis heute nicht sicher, ob er wirklich so heißt. Google maps nennt ihn jedenfalls so, und sonst findet sich nicht viel Information im Netz. Zumindest, wenn man kein griechisch spricht. Es handelt sich um einen Stausee, mit dem man wohl eine Hochebene unter Wasser gesetzt hat.

Eigentlich suchten wir ja nur einen schönen Ort, um die Zeit bis zur Abfahrt unserer Fähre zu verbringen. Wie grandios dieser Ort allerdings sein würde, ahnten wir noch nicht, als wir im Internet einen Stellplatz am See Aoou fanden. Unvorbereitet und ohne große Erwartungen kämpften wir uns eine steile, serpentinenreiche und enge Straße nach oben.

 

Ankommen, und die Stille genießen

Irgendwann kamen wir auf einer Hochebene an, und erreichten bald auch das See-Ufer. An diesem entlang fuhren wir weiter bis zur Nordseite des Sees, wo es dann einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz gab. Nicht nur, dass es dort keine weiteren Camper gab – es gab auch sonst nichts und niemanden.

Wir stiegen aus, und wurden von kompletter Stille empfangen. Es gab einfach kein Geräusch. Nichts.

Kein Auto störte den Frieden, keine Motorsäge und kein Flugzeuggeräusch. Ja nicht einmal Tiere wagten es, die Stille zu unterbrechen. Vögel segelten über den See und schienen Flügelschläge vermeiden zu wollen.

Majestätisch schimmerte das von der Sonne beschienene Wasser vor uns, während wir höchstens unseren eigenen Herzschlag hörten.

Ruhige Stunden

Was kann man am See Aoou machen, fragst du? Naja:

  • Auf den See blicken und fotografieren
  • In sich gehen und nachdenken
  • Lesen
  • Vor grandioser Kulisse Blog-Artikel schreiben und Fotos sortieren.

Sonst nicht viel. Und das fanden wir toll. Selbst ein Sportprogramm wollten wir nicht abspulen, es hätte irgendwie nicht zur ruhigen Umgebung gepasst.

Hierhier kommt man nicht, weil man Superlative sucht. Es gibt keine wichtigen Punkte, die man abhaken muss. Hierher kommt man, wenn man Ruhe sucht, und keine Bespaßung benötigt.

Und so ließen wir es uns in unserem Wohnzimmer gut gehen. Mit offenen Hecktüren stand der Van also da, und wir ließen die Beine rausbaumeln. Mit Lesen, einer Foto-Session und viel Nichtstun verging der Tag.

Besuch aus Südafrika

Nur einmal wurde die Ruhe unterbrochen. „Jassu“ grüßte ein älterer, vermeintlicher Grieche, als er schüchtern um die Kastenwagen-Türe blickte. Er wollte uns offensichtlich nicht stören, versuchte aber dennoch, unsere Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken.

„Jassu“ grüßten wir zurück, gleich gefolgt vom Hinweis, dass wir leider kein Griechisch sprechen. Ohne zu zögern antwortete unser Grieche in perfektem Englisch:

„Oh, you don’t speak Greek? Well…what do you speak?“

Etwas perplex meinten wir, Englisch sei schon ok. Wie es sich herausstellte, war unser Besucher eigentlich Südafrikaner, lebte aber seit seinen Jugendjahren in Griechenland. Er sei mit seiner Frau entlang des Sees unterwegs, und nun wüssten sie nicht, welche Straße die richtige sei.

Mit meinen offline-Karten bewaffnet zeigte ich ihm begeistert zwei Minuten lang anhand der Karte am kleinen Display seine Optionen auf. Er lächelte, nickte freundlich. Als ich ihn dann aber fragte

Does this help you?

zuckte er mit den Schultern, lächelte verschmitzt, und meinte

„I don’t know! I’m 78 years old, I’m half blind and half deaf, I can’t see what you’re showing me!“

Ups! Hätte ich auch selbst merken können. Jedenfalls gelang es uns dann, ihm seinen Weg deutlich zu beschreiben. Er bedankte sich, wünschte uns eine schöne Reise, und fuhr wieder weiter.

Wir blieben lächelnd zurück. Irgendwie toll. Wer rechnet schon mit einem südafrikanischen Griechen, mitten im Nirgendwo? Und so hatten wir nun, all der Stille zum Trotz, doch noch ein Erlebnis zu verbuchen!

Fazit

Am Weg liegt er nicht, der See Aoou. Außer vielleicht, du bist im Pindos-Gebirge unterwegs, und suchst einen (langsamen) shortcut in Richtung Osten. Aber wenn du Stille magst, und dir tolle Ausblicke auf eine spiegelglatte Wasserfläche einen Umweg wert sind, dann verdient der See Aoou deine Aufmerksamkeit. Für uns war das jedenfalls das schönste Outdoor-Erlebnis 2018.

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?