Auf Entdeckungsreise mit dem Wohnmobil im slowenischen Vipava-Tal genießen wir eine spannende Weinverkostung und verbringen anschließend eine ruhige Nacht am Weingut „Lepa Vida“.

Zwischenstopp in Slowenien am Weg in den Süden

Eigentlich sind wir ja nur am Weg nach Südkroatien, doch da wir im April einen bereits geplanten Besuch im Vipava-Tal nicht geschafft haben, beschließen wir, diesen nun nachzuholen. Unser Nachbarland Slowenien kennen wir ohnehin noch viel zu wenig, und 2019 wollen wir das ändern. Auf der Autobahn düsen wir an Ljubljana vorbei, um bei Razdrto nach Nordwesten abzubiegen. Etwa drei Stunden benötigen wir ab Graz, um im Vipava-Tal anzukommen.

Das Vipava-Tal

Das slowenische Vipava-Tal erstreckt sich vom Ursprung des Flusses Vipava im gleichnamigen Ort bis zur slowenisch/italienischen Grenze bei Nova Gorica.

Karte des Vipava-Tals
© OpenStreetMap contributors

Im Norden wird es von den Alpen begrenzt, im Süden von einer Bergkette, die es von der Adria trennt. Diese Bergkette markiert auch die Grenze zu Italien. So ensteht hier ein eigenes Klima, das vor allem von der regelmäßigen Bora gekennzeichnet wird.

Das Vipava-Tal ist eine Weinbau-Region, die sich für Genießer und Aktivurlauber empfiehlt.

Weingut Lepa Vida

Wir kommen kurz vor Sonnenuntergang am Weingut Lepa Vida mit angeschlossenem Wohnmobil-Stellplatz an.

Weingut und Stellplatz Lepa Vida
Adresse: Osek 4b, 5261 Šempas, Slowenien

Irena begrüßt uns freundlich und erklärt uns den Stellplatz. Strom wird per Münzen abgerechnet (dank Solaranlage benötigen wir keinen), Wasser und sogar die Toilette sind in der Gebühr von 10 Euro pro Tag inkludiert. Der Stellplatz ist geschottert und eben, und wir werden später ausgezeichnet schlafen. Die Saison hat noch nicht so richtig begonnen, und wir sind an diesem Abend die einzigen Gäste am Stellplatz.

Gleich neben dem Stellplatz befinden sich Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude des Weinguts. Ein moderner Zubau steht für Weinverkostungen zur Verfügung. Auch ein Ab-Hof-Verkauf von Wein ist natürlich möglich.

Weinverkostung

Irena bietet uns spontan eine Weinverkostung an, die eigentlich eine Voranmeldung erfordert. Wir schlagen – ebenso spontan – natürlich zu. Die Weinverkostung kostet 20 Euro pro Person, und das zahlt sich aus. Man bekommt hervorragende Snacks aus lokaler Produktion zu essen und kostet sich durch mehrere Weine. Wie viele es am Ende genau sind, hängt ein wenig von Lust und Laune des Gastgebers sowie der Zuhörer ab.

Matija vom Lepa Vida-Weingut bei der Weinverkostung

Matija

Matija leitet eigentlich ein Online Marketing-Unternehmen in Ljubljana, ist aber über seine Frau beim Wein gelandet. Den Weinbau nennt er Hobby, was kein Nachteil ist: Man merkt es nämlich, wenn Matija beim privaten Wein-Tasting Geschichten über den Wein und die Region erzählt, dass er hier nicht nur einen Job ausübt. Hier steckt Herzblut und Freude drin.

Weinverkostungen nennt Matija „Wine tasting experiences“, und das sind sie auch. Sie werden daher nur in Ausnahmefällen für große Gruppen angeboten. Lieber sitzt Matija mit ein paar wenigen Leuten am Tisch, und erzählt wie beim Dinner mit Freunden über das Vipava-Tal und den Wein.

Geschichten vom Wein und der Region

Wer hier eine reine Aufzählung der Charaktereigenschaften des Weins erwartet, irrt sich gewaltig. Matija rollt die Geschichte des Vipava-Tals bis in die Zeit der Römer auf, und erklärt, wie sich der Weinbau in der Region im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Nebenbei lüftet er auch noch das Geheimnis um den Namen des Weinguts, „Lepa Vida“. Dieser geht nämlich auf die Alexandrinerinnen („Aleksandrinke“) zurück. Diese slowenischen Kindermädchen und Ammen, wanderten aus der ehemals armen, slowenischen Region ins wirtschaftlich boomende Ägypten aus und versorgten von dort ihre Familien finanziell. Die Rückkehr war für viele von ihnen aufgrund der Entfremdung über Jahre sehr schwierig.

Terroir und Klima

Erläuterungen zum Terroir und Klima gehören natürlich auch zu Matijas Vortrag. Das Vipava-Tal wird von zwei Bergketten eingeschlossen und liegt sehr nahe der Adria was ein besonderes Klima erzeugt. Nebenbei erfahren wir, woher der Name der bekannten Weinsorte „Malvazia“ stammt – nämlich vom griechischen Ort Monemvasia, den wir von früheren Reisen auch schon kennen.

Tipps für Aktivitäten und Gastronomie im Vipava-Tal

Zum Abschluss gibt uns Matija noch eine Menge Tipps mit auf den Weg. Wir schreiben eifrig mit, ein Tipp klingt besser als der andere. Italien hat der Region mit einem Casino-Bann wohl zu einer Einnahmequelle verholfen, und als Nebeneffekt entwickelte sich im Vipava-Tal eine Spitzengastronomie, die die Herzen der Foodies dieser Welt höher schlagen lässt. Wir schreiben eifrig mit, wissen aber bereits, dass wir diesmal nicht alles schaffen werden.

Spät in der Nacht, und weit nach der vorgesehenen Zeit verabschieden wir uns schließlich von Matija und verbringen eine ruhige Nacht im Wohnmobil.

Am nächsten Morgen kaufen wir noch Wein ein, und setzen unseren Weg fort: Natürlich zu einer Empfehlung von Matija, für die wir unseren Camper auf schmalen Straßen auf 1000m über dem Meer quälen. Doch dazu später mehr!

Aktiv im Vipava-Tal

Bei unserer Abreise am nächsten Tag sehen wir eine große Anzahl von Rennrad-Fahrern. Doch auch Mountainbiker und Genussradler kommen hier auf ihre Kosten.

Auch für Kletterer und Wanderer stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, und für Paraglider ist das Vipava-Tal wohl ein besonderer Hotspot.

Fazit

Das Vipava-Tal hat uns begeistert. Ursprünglich, landschaftlich schön und naturbelassen. Dies ist kein Ziel des Massentourismus, sondern ein lohnenswertes Ziel für Foodies, Wein-Liebhaber, Radfahrer und Wanderer. Slow-Food und Slow-Travel werden hier großgeschrieben, und auch mit dem Wohnmobil fühlt man sich hier wohl. Gerade die Verbindung von Stellplatz und Weingut bietet sich am Weingut Lepa-Vida für Camper natürlich an, und so planen wir bereits unseren nächsten Aufenthalt.