Um unseren unerwartet turbulenten Grenzübertritt von Albanien nach Griechenland zu verarbeiten, müssen wir uns sofort an einen Strand werfen. Wir besuchen Sagiada wieder, wo wir zu VW-Bus-Zeiten eine Übernachtung direkt vor der Polizeistation hingelegt haben, und brechen dann in die Region Epirus auf, wo wir diesmal einen sagenhaft schönen Stausee entdecken.

Sagiada

Bei Sagiada probieren wir drei Badeplätze aus, bis Olya dann schließlich mit jenem zufrieden ist, wo wir 2012 schonmal für etwa 30 Minuten standen. Damals war er voll mit Wohnmobilen und so flüchteten wir wieder. Diesmal ist nur ein Italiener da, und wir stellen uns weit von ihm entfernt hin.

Bald besucht uns eine Kuhherde. Ein wenig angst habe ich um die ausgestellten Fenster des Kastenwagens, doch die Leitkuh ist eine Expertin und führt die Herde weit vom Bus entfernt an uns vorbei. Später trifft noch ein VW-Bus ein.

Wir fahren in den Ort Sagiada, erneuern unsere Lebensmittelvorräte im Supermarkt, und essen dann Souvlaki, Choriatiki und Calamari im Hafen.

Danach fahren wir wieder zu unserem Strandstellplatz zurück, und verbringen dort eine ruhige Nacht.

Auf nach Epirus

Die Region Epirus kennen wir schon aus früheren Reisen, und waren von der Berglandschaft immer begeistert. Und so beschließen wir, auf unserem Weg durch Griechenland von Igoumenitsa nach Kavala irgendwo in den Bergen einen Stopp einzulegen. Unsere Wahl fällt dank des hervorragenden Stellplatzführers von Thomas Fettback auf einen Stellplatz am Stausee Aoou.

Die Autobahn „via egnatia“ ist für Wohnmobile ausnahmsweise (in Griechenland) zu empfehlen. Wir werden als PKW klassifiziert, und zahlen bis Metsovo zwei mal €2.10. Das ist für Griechenland billig, wo ja jede Autobahn ihren eigenen Betreiber hat, und diese Betreiber Wohnmobile oftmals den vollen LKW-Preis berappen lassen.

Via egnatia mit dem Wohnmobil

Einen kurzen Stopp legen wir in Ioannina ein, wir benötigen Torx-Werkzeug und finden dort einen „Praktiker“.

Völlige Ruhe am See Aoou

Dann geht es aber schon weiter, und wir schrauben uns bald im zweiten Gang ins Bergdorf Chrisovitsa hoch, und (nachdem wir uns dort kurz am Dorfplatz verfahren, sehr zur Unterhaltung der Dorfgemeinschaft) von dort weiter nach oben.

Vorausschauendes Fahren ist ratsam, es gibt zwar kaum Verkehr, hin- und wieder kommen aber doch die Pickups der Landwirte entgegen, und es gibt einige Engstellen, an denen keinen zwei Autos aneinander vorbei passen. Großteils sind diese aber gut beschildert. Plötzlich tut sich eine Hochebene vor uns auf, hier wird eifrig Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Der Stellplatz ist absolut malerisch. Wir fühlen uns nach Norwegen, Neuseeland oder ins fiktive Mittelerde versetzt.

Ein glasklarer See, hohe, kahle Berge im Hintergrund und dazwischen bewaldete Hügel. Hier halten wir unsere Mittagspause, und verbringen unseren Nachmittag dann mit Lesen und Fotografieren. Es ist beträchtlich kühler als am Meer, was auch mal ganz angenehm ist.

Mehr zum See Aoou findest du hier.

Besuch aus Südafrika

Die Ruhe am See wird nur einmal unterbrochen. Wir machen gerade Fotos aus dem Heck des Campers, als ein freundliches „Jasu, jasu!“ ertönt. Als wir auf Englisch entschuldigend meinen, wir sprächen kein Griechisch, plappert der ältere Herr munter und fließend auf Englisch weiter. „Oh, you don’t speak Greek? Well, what do you speak?“. Es stellt sich heraus, dass er ursprünglich aus Südafrika stammt, aber nun offensichtlich in Griechenland lebt. Er fragt uns nach dem Weg in einen bestimmten Ort. Wir haben zwar gerade keinen Empfang, aber in google maps gerade den richtigen Ausschnitt als Offline-Karte dabei. Er bedankt sich überschwänglich, und empfiehlt uns noch einen Besuch in Metsovo.

Nach Metsovo brechen wir dann schweren Herzens in der Abendstimmung auf. Eigentlich gefällt es uns am See ja viel zu gut, aber wenn wir am nächsten Tag unsere Fähre in Kavala erwischen wollen, dann müssen wir entweder sehr früh aufstehen, oder am Abend noch einige Kilometer abspulen.

Ins Zentrum von Metsovo und zurück

In Metsovo führt uns das Navi gleichmal direkt ins Zentrum, was mit einem Wohnmobil nicht ganz unknifflig ist. Griechen sind nicht dafür bekannt, vorausschauend zu fahren, und so bleibe ich vor Engstellen stehen, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Für die Griechen hinter mir ist das aber nur eine Aufforderung zu überholen, sich vor mir wieder hineinzuklemmen, sodass dann schlussendlich alles stillsteht. Aber irgendwie landen wir unbeschadet am Dorfplatz, wo es natürlich für uns keinen Platz gibt, und so fahren wir wieder bergan aus dem Ort hinaus.
Leider ist das ganze so stressig, dass wir kein einziges, vernünftiges Bild von Metsovo haben. Der Ort erschien uns ein bisschen wie ein tiroler Skiressort, was in Griechenland schon ganz lustig ist, aber insgesamt war’s uns zu touristisch. Ein Souvenirshop reihte sich an den anderen, und so war Olya nicht davon zu überzeugen, hoch über dem Ort zu parken und zu Fuß zurückzugehen.

Weiter nach Thessaloniki

Uns bleibt nichts weiter übrig, als uns wieder auf die Autobahn zu werfen, und in Richtung Thessaloniki zu rollen. Dass dies zu so später Stunde nicht die beste Idee ist, ist klar, doch dazu mehr im nächsten Artikel.