Nachdem wir in Travnik eine große Portion Cevapi vernichtet haben, quälen wir uns mit vollem Bauch in Richtung Sarajewo. Schließlich muss man die Hauptstadt Bosniens gesehen haben. Was uns dort erwartet, wissen wir eigentlich nicht so recht, und vielleicht sind wir auch deshalb so überaus positiv überrascht.

Autobahn nach Sarajewo

Nach Stunden auf einer Rumpelpiste sind wir aus heiterem Himmel plötzlich (und erstmals, seit wir in Bosnien sind) auf einer Autobahn. Die Autobahn ist in ausgezeichnetem Zustand, und nach mehreren Stunden Dahingondelns mit 50km/h ein Genuss. So kommen wir endlich rasch voran.

Leider wissen wir nicht so genau, wo wir eigentlich hinwollen.  Nach Sarajewo. Ja, aber dann? Im Internet hatte ich einen Campingplatz gefunden, der wohl eine gute Öffi-Anbindung haben soll, aber natürlich habe ich keine Adresse (dazu müsste man ja mal etwas mehr vorbereiten, als ständig ins Blaue hineinzufahren). Unsere Ultra-turist-Simkarte streikt weiterhin, und so fahren wir einfach mal irgendwo bei Sarajewo von der Autobahn ab, um zu tanken, und bei der Tankstelle auf Internet zu hoffen.

Wegbeschreibung an der Tankstelle

Es kommt aber besser: Unser Tankwart spricht ganz ausgezeichnet Englisch und erklärt uns genau, wie wir zum „Camp Oaza“ kommen. Und tatsächlich müssen wir nur seinen Anweisungen folgen, um wenig später dort anzukommen. So gefällt uns das eigentlich viel besser, als Koordinaten ins Navi einzutippen.

Einen kleinen Umweg nehmen wir noch, als wir ein Schild zum Campingplatz zu wörtlich nehmen, und sofort rechts abbiegen, anstatt bei der nächsten Kreuzung. Plötzlich fahren wir durch eine Allee in einem Park, die sicher nicht für Wohnmobile vorgesehen ist. Falls jemand fragt: Wir waren’s nicht!

Campingplatz Oaza

Der Campingplatz Oaza liegt in der Vorstadt Illidja (wenn man der entsprechenden Beschilderung nach Illidja folgt, findet man den Platz auch ohne Navi und ohne Tankstellen-Spezial-Tankwart).

Bei Ankunft übersieht man die Rezeption leicht, sie befindet sich links des Restaurants, direkt an der Straße, und ist sehr unscheinbar beschriftet. Wir parken daher zuerst, und melden uns erst später an.

Der Campingplatz ist eher rustikal und wenig gepflegt, aber das passt schon. Wir stehen im hohen Gras, aber da nicht viel Betrieb herrscht, haben wir auf dem unparzellierten Camp viel mehr Platz, als wir benötigen.

Camp Oaza, Sarajewo

Ich habe erst einige Bedenken bezüglich Sicherheit, doch als Olya Nachts mit einer Straßen-Katze spielt, wird sie sofort von einem Wachmann gestellt, der wissen möchte, was sie da tut. Gut bewacht! (Andererseits sollte man auch nicht verschweigen, dass man als Ortskundiger keinerlei Schwierigkeiten beim Zutritt zum Camp hätte, Hintereingang sei Dank)

Das Restaurant sieht übrigens sehr gut aus, wir haben es aber nicht getestet.

Mit dem Taxi in die Altstadt von Sarajewo

Wir wollen noch bei Tageslicht in die Altstadt, und lassen uns daher an der Rezeption ein Taxi holen. Dieses trifft nach zwei Minuten ein, und bringt uns in etwa 20 Minuten in die Altstadt (stari grad). Der Wunsch „to the center“ verwirrt den Taxifahrer zuerst etwas, es scheint nämlich auch einen Business-District zu geben, der ebenfalls „center“ heißt.

Auf der Taxifahrt sehen wir die üblichen Plattenbauten osteuropäischer Städte. Hier sind sie mit haufenweise Einschusslöchern versehen, die nur teilweise gekittet wurden. Sehr bedrückend. Immerhin handelt es sich hier nicht um Militärinstallationen: Das sind Wohnhäuser, wo ganz normale Menschen wohnten, auf die hier geschossen wurde.

Stari Grad von Sarajewo: Eine unerwartete Überraschung

In der Altstadt von Sarajewo ist der Orient ganz nah. Im allerpositivsten Sinne: So stellt man sich Besuche in Arabien vor, wenn Terrorismus, Armut und Bettelei etwas ausgeklammert werden. Wir sind relativ überrascht, denn viel hatten wir nicht erwartet. Es gefällt uns aber ganz ausgezeichnet hier.

Hier wird man nicht aufdringlich angequatscht, sondern kann sich völlig unbehelligt bewegen. Wird man der Bewegung müde, setzt man sich in ein Teehaus und trinkt türkischen Tee. Für mich gibt’s sogar eine Geburtstagstorte.

Danach nimmt Olya Teppiche und andere Bazar-Artikel in Augenschein. Wir fühlen uns wohl. Niemand ist aufdringlich, es herrscht ein friedliches Miteinander der Kulturen. Ob das nur an der Oberfläche ist, kann man nach so einem Kurzbesuch natürlich nicht beurteilen.

Von Stari Grad zum Camp Oaza mit der Straßenbahn

Wir kaufen am Kiosk zwei Tickets für die Straßenbahn (das ist etwas günstiger als direkt beim Fahrer) und fahren mit der Straßenbahn zurück in unseren Vorort Illidja. Das dauert mit etwa 40 Minuten doppelt so lange wie eine Taxifahrt, kostet aber auch nur einen Bruchteil. Von der Endstation geht man noch etwa zehn Minuten geradeaus, und spart etwas Zeit, wenn man den Hintereingang in den Campingplatz findet (hinter den Waschhäusern gibt es eine Tür im Zaun). Offline-Karten für google maps zu laden, schadet nicht.

Straßenbahn Sarajewo

Fazit

Wie seit Beginn unserer Reise ist uns das Wetter weiter nicht hold. Es ist kalt (6°C im August? Wer rechnet denn damit?), und es nieselt immer wieder, weshalb das Sightseeing nicht soviel Spaß macht, wie es sollte. Da wir dem Wetter mittlerweile entfliehen wollen, geht es nach nur einer Nacht auch schon weiter nach Mostar. Eigentlich schade, denn Sarajewo bietet sicherlich mehr, und wir planen, wiederzukommen. Daher nehmen wir mit diesem Artikel auch an Tinis Blogparade „Reisetipps 2019“ teil, damit unter diesen Reisetipps Bosnien bald auch vertreten ist!

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