Wir sind auf der Suche nach einem neuen Kastenwagen, und nun waren wir einen unserer Top-Kandidaten besichtigen: Den Roadcar R 640, einen Kastenwagen mit Einzelbetten der Firma Pössl. Wie wir ihn fanden, und wie es weitergeht, erfahrt ihr hier.

Hintergrund unserer Kastenwagen-Suche

Unsere Bewertung des Roadcar R 640 muss im Kontext unserer Anforderungen an einen neuen Kastenwagen gesehen werden. Nach mehreren Jahren im Pössl Duett L (und davor VW T3) wissen wir recht genau, wie unsere Ansprüche aussehen. Mag sein, dass du den einen oder anderen Punkt anders siehst. Wir versuchen, unsere Wahrnehmung aber so deutlich zu beschreiben, dass du deine eigenen Schlüsse ableiten kannst.

Der Roadcar R 640

Der Roadcar R640 stammt aus der Pössl-Schmiede. Pössl rief die Marke Roadcar 2015 ins Leben. Seit den Anfängen in den 90er-Jahren hatten sich Pössl-Kastenwägen immer mehr zur Oberklasse der Kastenwägen entwickelt. Man fand zwar alle möglichen Features vor, und es wurden exquisite Materialien verwendet, doch trotzdem wurde Kritik laut: Junge und preisbewusste Käufer hatten mit dem Preis neuer Pössl-Kastenwägen Probleme. Zudem fanden viele Camper, dass soviel Komfort und so dermaßen hochwertige Materialien in einem Wohnmobil nicht notwendig seien. Statt das Feature-, Qualitäts- und Preisniveau zu senken, entschloss man sich bei Pössl, eine preiswertere Marke einzuführen. Bewährte Pössl-Qualität, aber:

  • weniger Optionen, mehr Standardisierung und damit eine kostengünstige Fertigung
  • weniger hochwertige Materialien und weniger Features aus dem Luxus-Segment

Wer nun Roadcar einen Billig-Pössl nennt, hat noch keinen angesehen. Doch dazu gleich mehr.

Besichtigung des Roadcars

Unerwartet viel Andrang gab es bei unserem Händler. Ich hatte im Winter eher tote Hose erwartet, dem war aber nicht so. Wir mussten warten, schlussendlich ging’s aber los.

Der erste Eindruck war richtig gut. Olya war ja skeptisch und musste erst überredet werden, mit mir einen neuen Kastenwagen ansehen zu gehen. Nach dem Einsteigen hörte man von ihr aber nur mehr „Oh, schau mal hier!“, „Du musst da hinten mal schauen, das ist toll!“ und „Hast du schon die Nasszelle gesehen?“.

Roadcar Bett

Der R640 ist ein Camper, wo man einsteigt, und sich wohl fühlt. Also, wir zumindest. Die Sitzgruppe ist gemütlich, das Bett ist bequem, und alles wird qualitativ hochwertig. Von billig sind wir hier weit entfernt – aber das sieht man ja auch am Preisschild.

Ausstattung des Roadcar R 640

Irgendwo muss gespart werden, und das passiert am ehesten bei der Ausstattung. Nicht jedes Feature ist verfügbar, und im Sinne der Standardisierung ist auch nicht alles ab Werk tauschbar. So ist z.B. ein Kompressorkühlschrank fix, ein Absorber steht nicht zur Wahl. Die Grundausstattung sieht wie folgt aus:

  • Ducato-Basis mit Euro 6-Motor
  • Kompressorkühlschrank für 12V-Betrieb (ausschließlich)
  • Küchenzeile mit 3-Flammen-Kocher
  • Truma Combi-4 Heizung
  • 122L Frischwassertank, 92l-Abwassertank
  • 2x11kg Gas, unter dem linken Einzelbett verstaut
  • Nasszelle ohne Fenster mit Klapp-Waschbecken und optionaler Dusche
  • Heki in der Nasszelle und über der Sitzgruppe, wahlweise auch überm Bett
  • LED-Beleuchtung
  • Zwei Einzelbetten in Fahrtrichtung hinten
  • Wirklich viel Stauraum (unter den Einzelbetten, Kleiderschrank vor dem Bad, Schränke in der Küchenzeile, Hängeschränke rundum und ganz viele kleine Nischen und Ablagen)

Roadcar Stauraum

Verfügbare Optionen

Es gibt zwei Optionspakete (Chassis-Paket und Basic-Paket), die man meiner Meinung nach beide nehmen muss. Man will ja nicht ohne Klimaanlage, Beifahrerairbag, ohne Dusche oder Verdunklungsrollos unterwegs sein.

Weiters gibt es noch einige Extras, z.B.:

  • 16″-Felgen,
  • 120L-Kraftstofftank
  • Tagfahrlicht
  • Tempomat
  • Bettumbau, um die Einzelbetten zum Doppelbett zu machen
  • Zusätzliches Bett vorne (z.B. für Kinder)
  • Zweite Aufbaubatterie
  • TV-Vorbereitung
  • usw.

Die Aufpreisliste ist nicht sehr lang, was wir positiv finden. Was weniger nachvollziehbar ist, warum man im Jahr 2018 immernoch für eine Radiovorbereitung und Lautsprecher extra bezahlen muss.

Eine Metallic-Lackierung kostet ebenfalls extra.

Weitere Informationen findest du im Roadcar-Katalog hier.

Was uns am Roadcar R 640 gefällt

Roadcar Kühlschrank

  • Kühlschrank von außen zugänglich: Sehr praktisch.
  • Schlafecke: Sehr gemütlich
  • Stauraum: Unter dem Bett gewaltig, mit Durchlademöglichkeit nach vorne. Für Kurztrips, wo wir das Surfmaterial am Ziel-Ort ausladen können, ist somit wahrscheinlich gar kein Beladen des Dachs notwendig.
  • Qualitätsanmutung: Sehr ordentlich
  • Vollwertiges Ersatzrad. Heutzutage ja leider nicht mehr selbstverständlich, aber gerade so, wie wir Urlaub machen, absolut wichtig.
  • Viele gute Details, viele perfekt ausgenutzte Ecken und Kanten.
  • Die Aufpreisliste: Kurz, mit sinnvollen Extras statt sinnlosem Dekadenz-Komfort.

Generell finde ich es positiv, dass sich Hersteller endlich des Gewichtsthemas angenommen haben: Die erhaltene Preisübersicht enthält eine Gewichtsberechnung des Fahrzeugs inkl. Fahrer, gefüllten Kraftstofftanks, einer Gasflasche, 20L Wasser und einer Kabeltrommel.

    

Was wir am Roadcar nicht so gut fanden

Wo viel Licht ist, da muss es auch Schatten geben. Kein Camper ist perfekt, es handelt sich ausnahmslos immer um einen Kompromiss. Die folgenden Punkte sind uns zumindest aufgefallen:

Wozu soviel Gas?

Das Versorgungskonzept: 2x11kg Gas ist ein ordentlicher Vorrat. Dank Kompressorkühlschrank wird Gas im Sommer aber nur zum Kochen benötigt (und reicht da dann wahrscheinlich Monate). Im Winter sind 2x11kg zwar nicht überdimensioniert, aber ob ein Kastenwagen das richtige Fahrzeug fürs Wintercamping ist, sei dahingestellt. Aber natürlich kann man eine Gasflasche zuhause lassen, oder kleinere 5kg-Flaschen mitnehmen.

Unterversorgter Kompressorkühlschrank

Das Fahrzeug ist mit Kompressorkühlschrank ausgestattet. Das finden wir gut, schließlich kühlt ein Kompressorkühlschrank grundsätzlich besser und vor allem mit 12V problemlos. Allerdings fehlt dem Kompressorkühlschrank eine ordentliche Energieversorgung von der Stange. Eine Aufbaubatterie mit 95Ah reicht sicherlich für die Nacht, aber dann heißt es: Fahrzeug (stundenlang) bewegen, oder an den Landstrom. Eine zweite Batterie ist Pflicht, und für einen (moderaten) Aufpreis erhältlich. Zudem kommt man für Autarkie an einer Solaranlage nicht vorbei (nicht in der Aufpreisliste enthalten, aber natürlich bei jedem Händler verfügbar).

Dunkelkammer Nasszelle

Die Dusche hat kein Fenster. Auch das klappbare Waschbecken wirkt nicht ultrastabil, sei aber bewährt.

Keine 12V-Steckdosen

Wir würden die zweite Aufbau-Batterie als Extra wählen. Dann hätte man beinahe 200Ah – aber gespeist werden damit nur ein paar Lampen und der Kühlschrank. Laptop aufladen: Fehlanzeige. Es gibt keine 12V-Steckdosen, oder gar USB-Steckdosen. Ist zwar nicht ganz schlüssig, aber klar, irgendwo muss gespart werden.

Warum 3 Flammen?

Niemand braucht wirklich einen drei-Flammen-Gaskocher. Warum er gerade in der „günstigen“ Linie verbaut wird, erschließt sich uns nicht. Nun gut, dann ist er halt da. Wahrscheinlich war der Einkaufspreis für Pössl gut. Die Flammen sind so eng aneinander, dass es unwahrscheinlich ist, dass man wirklich mal alle drei gleichzeitig nutzen wird. Von daher ist zu hoffen, dass sie zumindest kaum Platz wegnehmen.

Was wir noch an Erweiterungen bräuchten

  • Markise
  • Dachreling
  • Fahrradträger
  • Solaranlage

Wir möchten diesmal Dachluken und Fenster öffnen können und nicht mit Trägern verbarrikadieren. Wir suchen daher noch nach Optionen wie einer erhöhten Dachreling oder Schienensystem und abklappbaren/verschiebbaren Heckträgern.

Erschwert wird die Suche durch den Kompressorkühlschrank. Dieser ist zwar sehr begrüßenswert, da Kompressorkühlschränke grundsätzlich die bessere Technik darstellen. Allerdings können sie nicht mit Gas betrieben werden, weshalb für Griechenland-Reisende wie uns eine Solaranlage Pflicht ist. Dies ist wiederum schwierig damit kombinierbar, am Dach Surfbretter transportieren zu wollen. Einfacher wäre die Recherche mit genauen Maßen und Einbaupositionen der Hekis/Dachluken, da konnte uns der Händler aber nicht helfen.

Welche Extras wir sinnvoll finden

Unsere Aufstellung würde folgende Extras beinhalten:

  • Chassis-Paket mit Beifahrerairbag, Klima, Captain Chairs, usw.
  • Basic-Paket mit elektrischer Einstiegsstufe, Verdunklungen für Fahrerhaus und Wohnbereich, Mini-Heki im Schlafbereich, Dusche, Insektenschutztür für die Schiebetür und LED-Außenleuchte
  • 120l-Dieseltank
  • ESP mit Traction+: Dazu gibt es online unterschiedliche Meinungen. Das + bedeutet, dass man eine elektronische Sperre bekomt, mit der man sich bei rutschigem Untergrund nochmal befreien kann.
  • 16″-Felgen für etwas mehr Bodenfreiheit
  • Tempomat
  • 148PS statt 130. Derzeit fahren wir mit 128, und manchmal wäre mehr kein Fehler. Ob man die 18PS merkt?
  • Zusätzliche Aufbau-Batterie
  •  

Noch nicht berücksichtigt sind dabei Markise sowie Dach- und Heckträger, da wir hier noch nicht wissen, auf welche Systeme wir setzen.

Andere Meinungen zum Roadcar R 640

Brigitte und Ernst haben ihren R 640 in diesem Video vorgestellt:

Über seine ersten Schritte mit dem R 640 schreibt Tom hier.

Fazit

Wir finden den Roadcar 640 grundsätzlich super. Wenn wir unsere Stauraumprobleme ausreichend lösen können, kann es sein, dass wir im Jänner 2018 zuschlagen. Die Lieferzeit scheint dann bei ca. 4 Monaten zu liegen. Update folgt!

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