Samstag, 13.1.2018, 09:00. Die CMT 2018 startet, und wir sind bei der größten CMT aller Zeiten dabei. Wir suchen bekanntlich nach einem neuen Kastenwagen, und haben uns damit auch die heutige Aufgabe klar abgesteckt: Wir suchen Kastenwagen für Sportler und Aktive. Damit meinen wir Grundrisse abseits des Mainstreams mit besonders pfiffigen und praktischen Lösungen, und viel Stauraum.

Unser Problem mit dem Standardgrundriss der Kastenwagen

Jeder kennt ihn: Den Standardgrundriss des Kastenwagens: Hinten das Doppelbett, vorne die Sitzgruppe, dazwischen Küche und Bad. Im Detail unterscheiden sich jetzt die Maße der Elemente sowie die qualitative Ausführung, doch überraschenderweise entsprechen dennoch 80% der Kastenwagen genau diesem Grundriss.

Schon oft haben wir die Frage gestellt, warum die Heckbetten im Kastenwagen bei fast allen Herstellern viel zu niedrig montiert werden. Nach oben gibt es zwar viel Luft, doch diese wird nicht wirklich benötigt. Man muss ja nicht gleich alkovenartige Enge anpeilen, doch ein höher montiertes Bett würde viel Stauraum schaffen. Stauraum, der sonst einfach verlorengeht. Mittlerweile gibt es aber einige Modelle, die diesen und ähnliche Gedanken aufgreifen.

Globe Traveller Pathfinder

Als erstes sticht uns die Firma Globe Traveller ins Auge.

Globe Traveller Pathfinder Z Heckgarage

Der Pathfinder Z nimmt den Gedanken mit dem höhergesetzten Heckbett auf, und schafft darunter großen Stauraum. Die Hälfte der Heckgarage nützt die volle Länge der Einzelbetten. Mit einem Schienensystem lassen sich Fahrräder so im Innenraum transportieren. Links daneben gibt es weiteren Stauraum für Kisten und Campingmöbel.

Globe Traveller Pathfinder Z Heck Einzelbetten

Auch innen ist der Pathfinder schön ausgeführt. Das Heckbett lässt genügend Raum, um am Bett zu sitzen, und ist super-gemütllich.

Weniger gut gefallen uns die grau-rosa Fronten der Kästchen (wir hoffen, dass es hier andere Optionen gibt).

Gar nicht gut finden wir den Einbauort des Kühlschranks, nämlich am Boden direkt vor dem Bad. Weder ist der Kühlschrank von außen erreichbar, noch ist er bequem von innen zugänglich. Man muss sich im Mittelgang ganz schön zusammenfalten.

Um den Pathfinder für 4 Personen tauglich zu machen, verbaut Global Traveller vorne ein Klappbett über der Sitzgruppe. Möglich wird das durch ein aufgesetztes GFK-Dach, das die Fahrzeughöhe auf 3 Meter anhebt.

Globe Traveller Pathfinder Z Klappbett vorne

Vollmundig behauptet Globe Traveller, der Voyager Z sei der einzige Kastenwagen mit Einzelbetten und einem separaten Bad. Nun, das stimmt nicht (mehr), aber ein interessantes Fahrzeug für Aktive ist der Pathfinder Z auf alle Fälle.

Pössl: Summit 640

Endlich konnten wir uns den Pössl Summit 640 in Natura ansehen. Das besondere am Summit ist das Konzept für die Nasszelle. weder hat man hier ein Raumbad, noch eine kleine Nasszelle mit eingeschränktem Platz. Stattdessen gibt es zwei Türen, die man dazu nutzt, den Gang vor und nach der Nasszelle abzutrennen. So wird der Gang wie beim Raumbad ins Bad integriert, ohne aber unpraktische Schiebetüren zu nutzen. Zudem ist das Bad in verkleinerter Form auch ohne Blockieren des Gangs möglich.

Pössl Summit 640 Bad/Nasszelle: Konzept Pössl Summit 640 Bad/Nasszelle: Konzept Pössl Summit 640 Bad/Nasszelle: Konzept

Schlussendlich lässt sich noch der Schlafraum mit einer richtigen Tür verschließen. Interessantes Konzept, z.B. für Mountainbiker, die nach dem Trails-Shredden einen richtigen Duschraum benötigen.

Knaus Boxlife 630

Bereits vorab auf unserer Liste hatten wir den Knaus Boxlife 630. Dieser bietet ein Hubbett im Heck, das manuell auf eine beliebige Höhe einstellbar ist. Bereits in der tiefsten Position bietet der Knaus eine Laderaumhöhe von über 80cm, was für den Transport von bikes im Innenraum toll ist (zumindest mit entferntem Vorderrad). Dass auf eine elektrische Höhenverstellung verzichtet wird, finden wir aus Gewichtsgründen absolut sinnvoll.

Knaus Boxlife Hubbett

Weniger überzeugen konnte uns das Schiebetürsystem für das Raumbad. Abgesehen davon, dass es (wie so oft) den Gang blockiert, zweifeln wir auch an der Langlebigkeit. Es ist weder leichtgängig, noch wirkt es sehr stabil.

Glücklicherweise ist der Knaus auch mit Festbad erhältlich, was definitiv unsere Wahl wäre.

Vantourer Cargo Line

Der Vantourer Cargoline ist auf den Transport von Sportgerät ausgelegt. Eine Thule-Dachträgerlösung erlaubt den Transport von Dachboxen und Surfbrettern. Das Thule-System baut recht hoch, wir vermuten daher, dass man Dachluken zumindest teilweise öffnen kann. Da auf der CMT in den Dachluken meist Beleuchtungskörper befestigt sind, konnten wir das leider nicht testen.

Am Heck ist ein Thule-Fahrradträger befestigt. Dieser ähnelt zwar dem Eurocarry-System sehr, wirkt aber um Klassen stabiler und hochwertiger gefertigt.

Im Heck können am Doppel-Stockbett bis zu 4 Personen schlafen. Unterm Bett gibt es einen besonders breiten Stauraum.

Vantourer Cargo Line Vantourer Cargo Line

Roadcar R640

Bereits vor der CMT18 hatten wir den R640 von Roadcar ins Auge gefasst. Besonders seine riesige Heckgarage hat es uns angetan. Schwächen, die wir mittlerweile ausgemacht haben umfassen die wirklich minimalistisch (und etwas lieblos) gestaltete Nasszelle, sowie den fehlenden Lattenrost. Davon abgesehen ist der R640 aber ein ehrlicher Campingbus ohne Schnickschnack, der viel Platz bietet und qualitativ absolut ok zu sein scheint. Ein Fahrradtransport im Inneren sollte möglich sein, wahrscheinlich müssten wir für unsere Mountainbikes aber das Bett etwas höher setzen.

Sunlight Cliff / Carado Vlow

Der Sunlight Cliff sowie der baugleiche Carado Vlow bieten beide eine große Heckgarage zum Transport von Fahrrädern. Die Heckgarage ist um wenige Zentimeter höher als im Roadcar R640, dafür aber schmäler. Das Bad gefällt uns im Sunlight/Carado besser als im Roadcar, allgemein spricht uns persönlich der Roadcar aber mehr an. Genau erklären können wir das nicht.

Carado Vlow / Sunlight Cliff Laderaum

Carado Vlow / Sunlight Cliff Nasszelle

Clever Vans

Auch Clever hatten wir aufgesucht, da man dort ja besonders flexible Grundrisse findet. Für Sportler sind diese sicher geeignet, allerdings haben wir uns am Clever-Stand nicht allzu lange aufgehalten: Für uns wirken die Busse nicht wirklich solide gebaut. Textilien und Matratzen haben etwas von „Selbstausbau“. Das ist ja an sich nicht schlecht (haben wir viele Jahre gehabt), doch wenn es Alternativen gibt, die dem Wohnzimmer zuhause zur Ehre gereichen würden, dann schrecken zumindest wir im direkten Vergleich vor Clever zurück. Schade, denn dort überlegt man sich durchaus innovative Grundrisse.

Fazit

Die Hersteller haben die Botschaft offensichtlich endlich vernommen: Kastenwagenfahrer sitzen nicht nur zum Fernsehen am Campingplatz, sondern sind mit ihren Fahrzeugen aktiv. Outdoor-Aktivitäten erfordern oft Sportgerät mit großem Platzbedarf (Kajaks, Kanadier, Surfboards, Fahrräder, etc.), und dieses muss irgendwo verstaut werden. Es ist völlig ok, auch Komfort-Modelle zu bieten, doch genügend potentielle Kunden sind bereit, auf Raum im Inneren zugunsten von mehr Stauraum zu verzichten. Schön langsam findet man die entsprechenden Modelle.