Auf unserer Suche nach einem neuen Kastenwagen sind wir schlussendlich beim Knaus Boxlife 630 ME gelandet. Bald soll er nun (endlich!) geliefert werden, daher ist es nun an der Zeit, das Fahrzeug vorab vorzustellen.

Die Knaus Boxlife-Reihe

Knaus definiert die Boxlife-Reihe als CUV: Camping Utility Vehicle. Das soll die flexiblen Einsatzmöglichkeiten illustrieren. Erreicht werden diese insbesondere durch das Hubbett im Heck. Je nach Fahrzeuglänge ist dieses als Querbett oder Längsbett ausgeführt, und lässt sich stufenlos in der Höhe verstellen. Dadurch hat man eine riesige und flexible Stauraum-Lösung im Heck. Ob da jetzt eine eigene Fahrzeugklasse erfunden werden musste sei mal dahingestellt – die Umsetzung hat uns aber überzeugt.

Die Modellreihe

Der Knaus Boxlife wird ausschließlich auf dem Fiat Ducato aufgebaut. Erhältlich sind die Längen

  • 540cm
  • 600cm
  • 630cm

Alle Längen verwenden das Mittelhochdach H2 und sind damit 258cm hoch. Innen bleibt eine Stehhöhe von 190cm, für uns mehr als genug.

Die kurzen Versionen haben Querbetten im Heck (540m als Stockbett), die lange Version mit 6m30 weist Längsbetten auf. Wir haben uns für die längste Version entschieden. Das Längsbett ist nicht nur bequem, sondern schafft auch riesigen Stauraum unter dem Bett.

Alle Längen weisen vier gurtgesicherte Sitzplätze auf, allerdings gibt es ohne Optionen nur zwei Schlafplätze. Für weitere Schlafplätze steht ein Hubbett über der Sitzgruppe zur Auswahl, allerdings ist dieses laut Forenberichten sehr schwer. Wir haben uns daher dagegen entschieden, und würden uns bei Bedarf mit alternativen Zusatzbett-Lösungen behelfen.

Für weitere Details findest du hier den Katalog.

Unterschied von Boxlife zum BoxStar

Oft wird der BoxStar als Premium-Linie und der Boxlife als einfachere Baureihe beschrieben. So wird das von Knaus aber gar nicht kommuniziert. Die Ausbauqualität ist dieselbe, und per Aufpreisliste kann man die Ausstattung komplett angleichen. Der Einstiegspreis des Boxlife ist etwas geringer als beim Boxstar, das liegt an einer anderen Basisausstattung. So kommt der Boxstar serienmäßig mit Seitz Rahmenfenstern, die beim Boxlife gegen Aufpreis erhältlich sind. Wir sehen es daher so, dass man beim Boxlife mehr Möglichkeiten hat, die Ausstattung so zu wählen, wie man sie braucht. Gleicht man die Ausstattung an, findet man kaum Unterschiede im Preis. 

Der Boxstar ist von der Ausrichtung her eher auf die komfortsuchenden Reisenden zugeschnitten. Der Boxlife bietet mehr Flexibilität und Stauraum. So ist das Hubbett nur beim Boxlife zu bekommen.

Die Sitzgruppe im Boxlife

Die Sitzgruppe muss nicht lange beschrieben werden, sie findet sich in ähnlicher Form in den allermeisten Kastenwagenausbauten. Die Sitze des Basisfahrzeugs sind drehbar und werden so mit dem Tisch dahinter sowie der Sitzbank zu einer Dinette kombiniert. Was beim Knaus Boxlife positiv hervorsticht, sind für uns insbesondere

  • die Stabilität und Praktikabilität des Tisches. Viele Mitbewerber bieten hier unglaublich wacklige Konstruktionen. Der Knaus-Tisch steht stabil. Wenn man ihn ausklappt, verbindet er sich mit dem Küchenblock zu einer großzügigen L-Arbeitsfläche. Allerdings gibt es dann auch keinen Durchgang mehr.
  • Die Integration des Gaskastens unter dem Tisch an der Außenwand. Dadurch wird im Heck Stauraum gespart.
  • Der zweite Sitz der Sitzgruppe ist ausziehbar. Dadurch können auch auf der Bank zwei Personen bequem sitzen. 

Das Hubbett im Heck

Für uns kaufentscheidend war das tolle Hubbett. Dieses ist stufenlos verstellbar, und kommt ohne elektrischen Motor aus. Das funktioniert ganz einfach: Man drückt einen Entriegelungsknopf (davon gibt es zwei, einen vorne für die Bedienung im Inneren, und einen hinten für die Bedienung bei geöffneten Hecktüren), und schiebt das Bett nach oben oder nach unten. 

Die Hängeschränke über dem Bett sind eine Option. Ich wollte sie zugunsten von mehr Kopffreiheit und Gewichtsersparnis nicht haben (man bekommt dann Aufbewahrungs-Stoffsäcke an einem Schienensystem), aber Olya hat sich letztendlich durchgesetzt.

Unter der Kaltschaummatratze befindet sich ein Lattenrost. Links und rechts des Betts gibt es jeweils ein Fenster. Auf diese hätte ich durchaus verzichten können, die Fenster sind aber Serienausstattung. Immerhin gibt es so die Option auf Rundumbelüftung im Sommer (zwei seitliche Fenster, zwei Heckfenster sowie eine Dachluke).

Unter dem Bett tun sich dann im Kastenwagen völlig unbekannte Stauraum-Welten auf. In den beiden Bildern oben und unten seht ihr das Bett auf eine Höhe eingestellt, die es uns erlauben wird, zwei Mountainbikes (bei ausgebauten Vorderrädern) stehend unter dem Bett zu transportieren. Den genauen Mechanismus überlegen wir uns gerade.  Daneben wird noch viel Platz für diverse Kisten bleiben.

Die Höhe über dem Bett reicht uns noch völlig für einen bequemen Schlaf. Eng wird es, wenn ich auch noch das Surfmaterial in der Heckgarage unterbringen möchte.

Warum wir das Festbad dem Raumbad vorziehen

Mitbewerber Pössl Revolution ist ausschließlich mit Raumbad zu haben. Für uns ausschlaggebender Punkt, den Knaus zu wählen: Hier kann man sich zwischen Raumbad (aufpreispflichtig) und Festbad entscheiden. Wir möchten – ganz klar – ein Festbad. Diese Entscheidung muss natürlich jeder für sich treffen.

Das Raumbad hat unbestreitbare Vorteile:

  • Intelligente Nutzung des zur Verfügung stehenden Raumes, der Korridor wird bei Bedarf zur Duschkabine
  • Der Raum im Gang, der – außer zum Durchgehen – sonst nicht genutzt wird, wird doppelt verwendet
  • Mehr Platz zum Duschen ohne Verrenkungen

Klingt toll, hat aber für uns eklatante Nachteile: 

  • Für uns ist das Bett im Camper nicht nur Schlafstelle, sondern gehört zum Wohnraum dazu. Hier wird gelümmelt, gelesen, ausgerastet. Wenn das Raumbad in Betrieb ist, gibt es aber kein Durchkommen. Wer im Bett ist, bleibt dort, und wer sich im Bereich der Sitzgruppe aufhält, kann nicht ans Bett gelangen. Mal eben schnell ein Buch holen, das am Bett liegt, oder ein neues T-Shirt aus den Staufächern über dem Bett, geht dann nicht. Für viele ist das kein Problem, uns würde es aber unglaublich nerven. 
  • Das Bad ist nicht benutzbar, ohne den Korridor zu blockieren. Wir haben es versucht. Intelligent wäre es ja, wenn man die Toilette auch ohne Mitnutzung des Korridors verwenden könnte, und den Korridor nur tatsächlich zum Duschen blockieren muss. Das funktioniert leider nicht, wir haben es ausprobiert.
  • Aus demselben Grund ist auch kein Durchladen von Surfboards in den Innenraum möglich, da dann das Bad nicht mehr benutzbar wäre. Diesen Flexibilitätsverlust wollen wir nicht hinnehmen.
  • Als Windsurfer haben wir oft nasse Neoprenanzüge, die wir transportieren müssen, bevor wir sie trocknen können. Ein separater Nassraum ist hier praktisch. Abgesehen von Neopren ist es auch dem Wohngefühl zuträglich, wenn man den Nassraum abtrennen kann, und dann nicht über den nassen Korridor laufen muss.
  • Der Zugang zum Kühlschrank ist eingeschränkt bis unmöglich, wenn gerade jemand das Bad benutzt.
  • Langlebigkeit der Konstruktion? Sie wirkte auf uns nicht unbedingt sehr robust.
  • Wir finden auch die Türe des Raumbads hakelig und schlecht bedienbar. Eine „echte“ Tür mit Scharnieren kann ohne Verzögerung und vielfach am Tag bedient werden. Beim Raumbad würden wir es uns jedes Mal überlegen, ob es sich auszahlt, sich das anzutun.

Die Küche des Boxlife

Was uns am Boxlife von Beginn an gefallen hat, ist die sinnvolle, hochwertig anmutende Ausstattung in der Küche. So werden hier nicht drei Flammen verbaut, die niemand benötigt, sondern zwei Flammen.

Der Wasserhahn wirkt hochwertig und baut hoch, damit hat der Krampf mit hohen Töpfen und niedrigen Wasserhähnen ein Ende. Olya ist besonders vom beleuchteten Gewürzfach begeistert. Dessen Beleuchtung lässt sich sicher auch gut als Notbeleuchtung nachts für den Weg ins WC nutzen, ohne den schlafenden Partner zu wecken.

Der Kühlschrank ist ein Kompressorkühlschrank, der gegenüber der Nasszelle in Stehhöhe angebracht ist. Darunter findet sich Stauraum. Eine Solaranlage ist daher Pflicht für all jene, die wie wir Campingplätze oft meiden.

Gasversorgung und Heizung des Boxlife

Der Boxlife hat einen Gaskasten für lediglich eine 11kg-Gasflasche. Eigentlich wollte ich so etwas nie. Nicht, weil wir zwingend mehr Gas benötigen, sondern, weil bei einer Flasche der Wechsel immer logistischen Aufwand bedeutet. Ist die Flasche schon leer? Ist sie voll genug für die geplante Reise? Sollte man sie, obwohl noch sicherlich zu 20% gefüllt, sicherheitshalber tauschen?

Die Heizung ist beim 6m30-Modell eine Truma Combi 6. Dies ist der Fahrzeuggröße geschuldet, aber in Kombination mit der einzelnen Gasflasche eventuell ein kleiner Widerspruch.

Nun hätte man beim Boxlife die Möglichkeit, eine Dieselheizung zu wählen, und so nur wenig Gas zum Kochen zu benötigen (der Kühlschrank läuft ja als Kompressorkühlschrank immer elektrisch). Wir haben uns dagegen entschieden:

  • Irgendwo muss man sich in der Aufpreisliste schließlich auch ein Limit setzen
  • Wir sind eigentlich keine Wintercamper (und dafür ist ein Kastenwagen ohnehin nicht die richtige Wahl)
  • Ich habe einen leichten Schlaf, und die Meinungen zur Geräuschbelästigung durch Dieselheizungen gehen auseinander
  • Die Dieselheizung verursacht mehr Wartungsaufwand als eine Gasheizung

Zudem kommt der Boxlife bereits mit Truma iNet. Damit müssen wir nur einen passenden Sensor in den Gaskasten einbauen, und können am Display unser verbleibendes Gas-Level ablesen, was dem Thema dann seinen Schrecken nehmen sollte.

Langfristig würde ich über eine Gas-Tankflasche nachdenken, die man dann einfach an der LPG-Tankstelle wiederbefüllen kann. Derzeit scheinen die rechtlichen Rahmenbedingungen hierfür aber unklar zu sein.

Was den Boxlife für uns auszeichnet

Hier im Überblick, die Mischung aus Fakten und Bauchgefühl, die zur Entscheidung für den Boxlife 630 geführt hat:

  • Viel Stauraum für Sportgeräte im Innenraum, dadurch ist der Verzicht auf einen Radträger am Heck möglich. Dies relativiert die Fahrzeuglänge etwas, und führt zu einer besseren Ladungsverteilung (näher an, beziehungsweise über der Vorderachse)
  • Viele Details, die man bei anderen Kawas erst nachrüsten müsste (zum Beispiel: Steckdosen schon hinten eingebaut, Küchenarmaturen)
  • Moderne Anmutung mit Farben und hellem Holz sowie qualitativ hochwertiger Ausführung
  • H2, dadurch die Möglichkeit, das Dach zu beladen, ohne extrem hoch zu werden
  • Wahl zwischen Raum / Festbad
  • Intelligente Lösungen, wie die nach innen und außen ausziehbaren Schubladen im Eingangsbereich

Basisfahrzeug

Als Basisfahrzeug haben wir uns für einen Fiat Ducato Euro 6 150PS und Heavy-Fahrwerk entschieden. Mehr PS schaden bei so einem schweren Fahrzeug grundsätzlich nie, doch der Aufpreis für die 180PS-Version war uns zu heftig. Entgegen von Gerüchten in Foren handelt es sich beim Upgrade von 130 zu 150 PS nicht um eine reine Software-Änderung. Die 150PS-Version hat bereits einen Turbolader mit variabler Geometrie, und ähnelt damit eher der 180PS-Version. Die vielgelobte 3L-Maschine gibt es – Euro6 sei Dank – ja leider nicht mehr.

Nachteile des Ducato sind u.a. ein kurzes Zahnriemenwechselintervall von lediglich 5 Jahren. Viele sehen auch den Verzicht auf Adblue als Nachteil: Wir nicht. Adblue nimmt Platz in Anspruch, es gibt damit keine Option mehr auf den 120l-Dieseltank. Außerdem ist Adblue nicht überall verfügbar.

Mit dem Heavy-Fahrwerk wollen wir für etwaige Auflastungen gerüstet sein. Zudem haben wir ein besseres Gefühl, wenn wir nicht komplett am Limit unterwegs sind.

Kaum herum kommt man um das „Fiat-Paket“, mit Tempomat, Klimaanlage und Beifahrer-Airbag. Zusätzlich haben wir noch den großen 120l-Dieseltank gewählt, sowie die Traktionshilfe Traction+.

Verzichtet haben wir auf die Styling-Paket, da für uns die Funktion klar vorgeht.

Die Mitbewerber

Natürlich haben wir uns auch einige Alternativen angesehen.

Roadcar 640

Die günstige Variante wäre der Roadcar 640 gewesen. Diese wäre im Detail viel einfacher ausgestattet gewesen, hätte aber unseren Bedürfnissen wahrscheinlich genügt.

Beim Stauraum hat er gegenüber dem Boxlife aber klar das Nachsehen. Wir hätten das Bett mit einer Eigenkonstruktion höherlegen müssen, um die Bikes darunter unterzubringen. Auch was Details wie Steckdosen angeht, hätten wir viel Nachbessern müssen.

Schlussendlich war auch das Bad ein großer Grund gegen den Roadcar – es ist leider ein schlecht durchdachter Behelf, in den wenig Mühe investiert wurde. Der Roadcar ist beileibe nicht schlecht – aber wir wollten bei einem neuen Camper dann nicht gleich mit Basteln beginnen.

Pössl Revolution

Die clevere Lösung mit dem Hubbett im Heck bieten auch die Revolution-Modelle (Roadstar in 600cm und Roadcruiser in 630cm) von Pössl und Globecar.

Nachteile (aus unserer Sicht):

  • Bei diesen weist das Hubbett aber einen elektrischen Antrieb auf. Das finden wir unnötig: Es macht das Fahrzeug teurer, schwerer, und der Benefit erschließt sich uns nicht. Im Gegenteil: Es gibt Berichte von Campern, die aufgrund einer durchgebrannten Sicherung die halbe Reise mit dem Bett in einer unbeabsichtigten Mittelstellung zurücklegen mussten.
  • Zudem sind die Revolution-Modelle als H3 (Superhochdach) ausgeführt. Das ist für große Menschen sicher ein Pluspunkt, wir benötigen die Höhe aber nicht. Für uns ist das eher ein Nachteil: Das Fahrzeug ist schwerer, und wenn man auch noch Surfboards aufs Dach schnallen möchte, wird die Fuhre zu hoch.
  • Unsere Gewichtsberechnung ergab, dass die lange Version (Roadcruiser Revolution) viel zu schwer für unsere Zwecke geworden wäre.
  • Letztendlich bieten die Revolution-Modelle auch keine Wahl zwischen Raum- und Festbad.

Vorteile:

Ein echter Vorteil des Roadstar Revolution ist jedoch, dass man hier ein Längs-Hubbett bereits auf einer Länge von 600cm bekommt.

Clever

Clever-Mobile standen auf der Liste, und bieten auch einige, flexible Ausbau-Varianten, haben uns vom Interieur-Design aber nicht 100%ig angesprochen.

Die Spannung steigt

Im Juni hätte unser Boxlife geliefert werden sollen, daraus ist mittlerweile Mitte Juli geworden. Wir hoffen, dass es dabei nun bleibt, da ansonsten die Reisepläne ernsthaft gefährdet werden. Wir haben ja noch einige Erweiterungen geplant (Fahrrad-Halterungen, Solaranlage), für die wir noch Zeit einplanen müssen. Sobald es soweit ist, werden wir natürlich berichten.

Update: Im wirklich allerletzten Moment, vor Beginn der Knaus’schen Werksferien, haben wir unseren Boxlife schließlich erhalten.

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