Surfmaterial mit dem Wohnmobil zu transportieren, ist gar nicht so einfach. Die Standard-Grundrisse sehen in den wenigsten Fällen einen ausreichend groß dimensionierten Stauraum für Surfboards, Masten und Segel vor. Welche Möglichkeiten es trotzdem gibt, Surfmaterial mit dem Wohnmobil zu transportieren, stellen wir hier vor.

Die Optionen für den Materialtransport mit dem Wohnmobil

Wenn man sich so ansieht, wie Surfer ihr Material im Wohnmobil transportieren, so ergeben sich insgesamt folgende Optionen:

Transport außerhalb des Wohnmobils

  • Transport des Surfmaterials am Dach
  • Board-Transport seitlich am Dach
  • Transport am Heck des Wohnmobils
  • Materialtransport im Anhänger

Transport im Inneren des Wohnmobils

  • Kastenwagen für Aktive für Surfmaterial nutzen
  • Transport von Surfmaterial in der Heckgarage
  • Surfbretter in fertig ausgebauten Kastenwagen durchladen
  • Surfboards im doppelten Boden transportieren
  • Fertig ausgebaute Wohnmobile modifizieren
  • Selbstausbau eines Wohnmobils/Surfmobils

Surfmaterial außerhalb des Wohnmobils transportieren

Der Boardtransport außerhalb des Wohnmobils hat durchaus Vorteile:

  • Kein Schmutz im Innenraum des Wohnmobils
  • Feuchtigkeit bleibt draußen, gefährdet nicht das Innenleben des Wohnmobils und das Material kann während des Transport ggf. sogar trocknen
  • Kein Platz wird im Innenraum dem Surfkram geopfert, klare Trennung von Wohnraum und Transportraum

Doch dies wird mit einigen Nachteilen erkauft:

  • Die Diebstahlgefahr ist am höchsten, je leichter zugänglich das Material für Langfinger ist
  • Material sicher und autobahntauglich zu verzurren, kann schonmal aufwändig und zeitraubend sein sein
  • Gefahren beim Verstauen in der Höhe bei Wind und Regen

Surfboards am Dach des Wohnmobils transportieren

Surfboards am Dach des Wohnmobils

Am Dach gibt es Platz, der Transport von Surfmaterial am Dach ist daher naheliegend. Allerdings ist das gerade bei Wohnmobilen mit ihren Dachluken, Kaminen und Solarpanelen nicht ganz so einfach. Wichtig ist, dass diese Elemente zumindest überbaut werden können. Schon das ist nicht mit allen Trägersystemen automatisch gewährleistet. Nett ist es natürlich nun, wenn man auch bei beladenem Dach die Dachluken noch öffnen kann. Dazu sind dann schon spezielle, hohe Träger notwendig.

Vorteile:

  • Keine Verlängerung oder Verbreiterung des Fahrzeugs
  • Relativ diebstahlsicher durch die unbequeme Zugänglichkeit
  • Transport einer größeren Anzahl an Surfbrettern möglich
  • Kein zusätzlicher Träger erforderlich, wenn bereits eine Dachbox (z.B. für Segel) transportiert werden soll

Nachteile:

  • Eingeschränkte Nutzbarkeit von Dachluken/Hekis
  • Konflikt mit Markisen-Montagepunkten möglich
  • Dachfläche wird belegt, kann Konflikt mit Solaranlage bedeuten
  • Größere Höhe und höherer Treibstoffverbrauch. Für große Wohnmobile ggf. problematisch an Unterführungen und auf Fähren.
  • Gefahr durch Stürze (gerade bei starkem Wind und Nässe)
  • Leiter erforderlich
  • Zweite Person für das Hochheben der Boards empfehlenswert

Trägersysteme

Eurocarry bietet eine normale Reling sowie die Variante „Style“ an. Die Style sieht nicht nur besser aus, sie bietet auch optionale Erhöhungen, die uns Surfern natürlich entgegenkommen.

Von Thule gibt es erst seit 2017 das System „smartclamp„. Ohne Querträger sind die beiden Längsschienen völlig unauffällig und dank mehrerer Nuten sehr vielseitig. Eine hohe Traglast empfiehlt sie genauso für Windsurfer wie die in zwei Höhen erhältlichen Querträger.

Spezial-Träger:

Von Karitek gibt es einen „high lift“-Träger, der es sogar erlaubt, Boote ohne Hilfe aufs Dach zu laden. Für Surfbretter vielleicht Overkill, aber eine spannende Idee.

Diverse weitere, kreative Ideen finden sich auch im Kastenwagenforum.

Die Leiter um Surfboards aufs Dach zu bekommen

Um die Boards nach oben zu wuchten, ist eine Leiter notwendig. Eine fix installierte Leiter begünstigt Materialdiebstahl, weshalb viele Surfer stattdessen auf eine Teleskopleiter setzen, die nur bei Bedarf verwendet wird. Für Windsurfer bietet sich die nicht ganz günstige Thule Teleskopleiter an, da diese per Magnethalterung gesichert wird, und somit auch in Windböen einen sicheren Stand gewährleistet.

Surfboxen am Dach

Wenn man nun schon ein Trägersystem am Dach hat, ist es naheliegend, auch Segel, Masten usw. dort transportieren zu wollen. Dieses Material ist aber notorisch schlecht zu befestigen, weshalb sich eine Dachbox anbietet. Spezielle, ausreichend dimensionierte Dachboxen Gibt es z.B. von Surfline und Flensboxx zu Preisen ab ca. € 600. Doch Achtung: So eine Box wiegt schonmal > 25kg, was bei geringer Zuladung und/oder Dachlast ein Kriterium sein kann.

Surfboards an der Seite des Wohnmobils transportieren

Aus den Hochzeiten der Surf-Bullis bekannt ist der Transport der Surfbretter an der Seite der Busse. Sinnvoll war das v.a. deshalb, weil die Bulli-Hochdächer sich nach oben stark verjüngten. Daher stand dann wieder Spielraum bis zur max. Fahrzeugbreite zur Verfügung. Fertige Träger stehen nur für wenige Modelle zur Verfügung (hier z.B. ein Modell von Zölzer für den California), doch man sieht viele Eigenbaulösungen.

Vorteile:

  • Keine Blockade von Fenstern und Türen
  • Keine Blockade von Dachluken und Solarpanelen
  • Bretter müssen etwas weniger hoch als für die Dachmontage gehoben werden

Nachteile:

  • Mögliche Überschreitung der zulässigen Fahrzeugbreite
  • Anzahl der Boards beschränkt
  • Wenige Trägeroptionen verfügbar
  • Leiter erforderlich
  • Zweite Person für das Hochheben der Boards empfehlenswert

Surfboards am Heck des Wohnmobils

Eine alternative Transportvariante für Surfboards stellt jene am Fahrzeugheck dar. Der Vorteil daran: Zum Befestigen musst du keine luftigen Höhen erklimmen, sondern bleibst bequem am Boden.

Voraussetzung für den Board-Transport am Heck ist eine gewisse Fahrzeughöhe. Die Boards sollen ja nicht einen Meter oben überstehen. Für einen VW-Bus ohne Hochdach funktioniert das daher eher nicht. Kastenwagenfahrer sollten genau nachmessen, große TI/VI-Wohnmobile sind normalerweise hoch genug.

Für Illustrationen habe ich bislang leider keine Erlaubnis erhalten, ggf. reiche ich die Bilder aber nach.

  • Viele Windsurfer bauen sich einfache Träger selbst aus Riffelblech.
  • Die Low-Budget-Variante ist das Festzurren der Boards an einem Eurocarry/Thule Fahrradträger. Dafür muss lediglich der Fahrradhalter abgeschraubt werden.
  • Manche entfernen auch den kompletten Fahrradträger, und belassen nur die Basisschienen an den Türen. An diese Basisschienen (die z.B. von Eurocarry auch separat erhältlich sind) schraubt man dann dann Trägerarme.
  • Besonders kreativ ist die Variante, bei der man einen Seesack oder eine breite Schlaufenkonstruktion unten am Fahrradträger befestigt. In diese untere Schlaufe stellt man nun die Boards einfach hinein. So sind sie bereits nach unten gesichert. Oben werden sie nun einfach am Fahrradträger festgezurrt.
  • Ebenfalls beliebt sind Konstruktionen auf Basis von Motorradbühnen.
  • Von Flensboxx gibt es (für einen recht hohen Preis) eine Box für’s Heck, die auch Boards fasst. Das stellt natürlich die Luxuslösung schlechthin dar, ganz ohne Leiter und Kletterei.

Vorteile:

  • Bequeme Befestigung
  • Du musst die Surfboards nur wenig in die Höhe wuchten

Nachteile:

  • Heckfenster und ggf. Hecktüren werden blockiert
  • Gewicht hinter der Hinterachse. Achslasten beachten!
  • Türscharniere werden bei Türmontage belastet
  • Anzahl der transportierbaren Surfbretter ist eingeschränkt
  • Bei niedrigen Wohnmobilen stehen Surfboards oben über und die Nose daher im Wind.

Ein Surfanhänger am Wohnmobil

Viele Hardcore-Surfer hängen ans Wohnmobil einfach einen Anhänger dran. Das ist natürlich in Sachen Bequemlichkeit und Platz unschlagbar. Wenn man nur auf der Autobahn zum bekannten Stellplatz fährt, beschränken sich die Nachteile auf finanzielle (Kosten, Maut, …). Wer jedoch gerne Roadtrips macht, nicht weiß, wo die Straße hinführt, wo man übernachten wird und ob man nicht doch mal wenden muss, wird sich durch einen Anhänger eingeschränkt fühlen. Wer einen Anhänger dranhängt, nimmt Nachteile in Kauf, die oft der eigentliche Grund für die Entscheidung fürs Wohnmobil und gegen einen Wohnwagen sind.

Bernd von kaktusprotectors.de ist mit dieser Luxus-Variante unterwegs:

Surfanhänger von Bernd

Worauf du achten musst:

  • Belüftung des Anhängers, damit dein Material trocknen kann
  • Versperrbarer Anhänger, damit dein Surfmaterial keine Beine bekommt

Vorteil:

  • Viel Platz
  • Material kann nass eingepackt werden, ohne den Wohnmobil-Innenraum u.ä. in Mitleidenschaft zu ziehen. Natürlich solltest du trotzdem darauf achten, es baldigst trocknen zu können.
  • Schmutz und Nässe bleibt fern des Wohnmobils
  • Entschärfung des Zuladungs-Problem der meisten Wohnmobile, da das Gewicht nun im Anhänger liegt.

Nachteil:

  • Du fährst einen Anhänger. Maut, Fährkosten, Geschwindigkeitsbeschränkungen, mangelnde Flexibilität beim spontanen abbiegen von der Strecke, …
  • Du darfst den Anhänger nicht ohne Zugfahrzeug auf der Straße abstellen. Für Wildcamper, die Abends mal essen fahren wollen, nicht ideal.

Der Surfbrett-Transport im Inneren des Wohnmobils

Der Traum der meisten Windsurfer: Kein Herumklettern am Dach bei 8 Windstärken, kein langwieriges Verzurren, sondern einfach die Boards aus dem Stauraum holen. Möglich ist das leider fast ausschließlich für selbst ausgebaute Wohnmobile, oder für große Teilintegrierte/Liner. Der Grund: Kein uns bekannter Standard-Grundriss von kompakten Wohnmobilen bietet einen entsprechend langen Stauraum mit einer Länge von über 2m30. Auf der CMT 2018 liefen wir sogar mit dem Maßband umher, um entsprechende Grundrisse zu finden, doch sie scheinen so nicht zu existieren.

Heckgaragen von Teilintegrierten

Viele Hersteller werben mit großen Heckgaragen. Bei genauerem Nachsehen verdienen viele dieser Stauräume den Namen „Garage“ sicher nicht, da sie gerademal für Campingstühle ausreichend sind. Doch auch die größeren Heckgaragen sind leider nicht groß genug für einen einfachen Surfbrett-Transport. Die Garagen werden meist nicht allzusehr in die Länge gebaut, um den Innenraum nicht einzuschränken. Die Breite wird durch die Fahrzeugbreite beschränkt. Übrig bleibt so meist nur die Variante, Surfboards diagonal einzulagern. Das passt allerdings meist nur bei kurzen Waveboards.

Kastenwagen für Aktive mit Hubbetten

Einige Hersteller bieten unter dem Label „Kastenwagen für Sportler“ flexible Grundrisse und große Stauräume an. Zwar bieten diese nicht die benötigte Länge, doch diagonal können Surfboards passen. Modelle mit Heck-Hubbetten erlauben eine variable Verstellung der Bett-Höhe, und damit auch eine variable Stauraumgröße darunter. Bei einer Bett-Länge von ca. 190 müssten Boards laut Pythagoras diagonal in diesem Stauraum unterzubringen sein.

Zu diesen Modellen gehören Die Pössl-Modelle Roadcruiser Revolution (6m36) und Roadstar Revolution (6m), jeweils mit elektrischen Hub-Heckeinzelbetten und Raumbad, bzw. die ähnlichen Modelle von Globecar.

Unsere Wahl fiel im Jahr 2018 auf den Knaus-Boxstar 630 ME, aufgrund des hier verfügbaren Festbads, das in Sachen „nasser Neoprenanzug“ eindeutig Vorteile gegenüber dem Raumbad hat. Wir werden diese Variante also noch 2018 in der Praxis testen.

Knaus Hubbett

Knaus Boxlife Hubbett

Wir haben dennoch Dachträger bestellt, da wir aufgrund der Nässe-Problematik zumindest eine zweite Option außen am Wohnmobil haben möchten. Zudem haben wir aufgrund des Verkaufs unseres Pössl Duett L mal das ganze Surfmaterial ausgeladen und aufeinandergestapelt: Der Platzbedarf ist massiv, und da auch noch Fahrräder mit sollen, wissen wir noch nicht, was da wirklich in den Stauraum passen wird. Update folgt!

Durchlade-Möglichkeiten in Kastenwagen

Viele Kastenwagen bieten Durchlade-Möglichkeiten. Für den Transport können Heckbetten hochgeklappt werden, und so Surfboards transportiert werden. Heck-Einzelbetten sind meist 180-200cm lang, Heck-Querbetten 140cm-160cm. Boards mit ca. 240cm ragen daher über das Bett hinaus in den Innenraum. Da kann es schonmal vorkommen, dass Kühlschrank- oder Nasszellentür blockiert werden. Raumbäder werden gleich völlig unbenutzbar, und das Bett (sofern aufgestellt) ist maximal für eine Person nutzbar. Diese Variante ist daher nur für kürzere Strecken geeignet, an deren Ende am Campingplatz ausgeladen werden kann. Für Roadtrips leider weniger geeignet.

Carado Vlow Durchlademöglichkeit

Surfboards im doppelten Boden

Vor einigen Jahren wurden noch Wohnmobile mit Stauraum im doppelten Boden konstruiert. Die Marke Euramobil war für diese Zwecke beliebt, und Surfmaterial konnte (meist über eine Heckklappe zu beladen) im doppelten Boden bequem transportiert werden. Mittlerweile scheinen doppelte Böden nur mehr zu Dämmungszwecken eingesetzt zu werden. Wenn sich daraus Stauraum ergibt, dann nur in Form von Mini-Fächern aber nicht als großer, durchgängiger Laderaum.

Auch die Variante „doppelter Boden“ weist natürlich die Feuchtigkeits-Problematik auf, d.h. Surfmaterial muss unbedingt trocken eingeladen werden.

Surfgaragen in fertige Wohnmobile einbauen

Wer vor umfangreichen Modifikationen nicht zurückschreckt, hat natürlich mehr Optionen zur Verfügung.

Dirk aus Hamburg hat sich aus einem Pössl 2win Vario das ultimative Surfmobil gebaut. Im Heck musste ein Teil des Betts sowie ein Teil der Hängeschränke weichen, und nun gibt es eine riesige, Surfmaterial-taugliche Heckgarage. Dirk bringt hier bis zu fünf Boards und 10 Segel unter. Vor feuchtem Material wird das Mobil durch eine ABS-Kunststoffwanne mit Bodenablauf geschützt, und für Entlüftung wird durch Dachluke und Heckfenster gesorgt. Im Wohnraum stehen immernoch drei Schlafplätze zur Verfügung.

2win Vario als Surfmobil von Dirk aus Hamburg

Foto: Dirk aus Hamburg

2win Vario als Surfmobil von Dirk aus Hamburg

Foto: Dirk aus Hamburg

Selbstausbau eines Surfmobils

Am meisten Freiheit hast du natürlich beim Selbstausbau deines Wohnmobils. Es ist die einzige Möglichkeit, einen auf die Maße von Surfmaterial ausgerichteten Stauraum im Wohnmobil zu haben. Die Lösungen reichen von der unkomplizierten Montage von Surfboards an der Innenwand oder der Decke, bis hin zu tollen Heckgaragen, hochgesetzten Betten und Stauraum darunter, usw.

Leider ist der Selbstausbau auch die aufwändigste Variante. Will man die Qualität von fertigen Mobilen erreichen, muss man entweder selbst entsprechendes, handwerkliches Geschick (und viel Zeit) mitbringen, oder jemanden beauftragen. Das geht ins Geld. Am Ende bleibt das Risiko, sich verplant zu haben, und dann ein suboptimales Surfmobil mit geringerem Wiederverkaufswert zu haben.

Fazit

Surfbretter sind im Wohnmobil nicht ganz einfach zu transportieren. Fast jede Lösung ist ein Kompromiss (außer, wenn die Größe des Fahrzeugs tatsächlich keine Rolle spielen sollte).

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