Ein halbes Jahr sind wir nun mit unserem neuen Kastenwagen unterwegs, bekanntlich von Beginn an mit einer Solaranlage. Dabei hatten wir viel Wert auf eine möglichst große Auslegung trotz wenig Platz gelegt. Hier folgt das erste Resumé, ob sich das auch so bewährt hat.

Die Auslegung der Solaranlage

Der letzte Artikel liegt ja leider schon ein Monat zurück, die Schaffenspause wurde durch mehrere Faktoren notwendig: Die bereits im Herbst geschriebenen Reiseberichte waren alle veröffentlicht, und dank vieler beruflicher Reisen fehlte die Zeit für neues. Doch mit einem privaten Kurztrip eröffneten wir Mitte März auch die Camping-Saison. Da uns die Leistung unserer Solaranlage trotz suboptimalen Wetters erstaunt hat, ist das die Gelegenheit, mal allgemein über unsere Erfahrungen mit der Auslegung unserer Solaranlage zu berichten.

Sieht man sich auf Facebook & co. um, so ist die richtige Größe der Solaranlage eine der häufigsten Fragen. Erstmal ist die Fülle der Begrifflichkeiten verwirrend. Diese zu verstehen, um selbst Berechnungen anstellen zu können, ist nicht so einfach.

Die Berechnung der Solaranlagen-Größe fürs Wohnmobil

Im Artikel über Solaranlagen haben wir versucht, einen Überblick zu bieten. Zusammenfassend ist für die Berechnung der richtigen Größe der Solaranlage folgendes Vorgehen zielführend:

  • Den erwarteten, täglichen Stromverbrauch berechnen
  • Puffer-Kapazitäten (Batterien) in geeigneter Größe schaffen
  • Sicherstellen, dass die Solaranlage die Puffer-Speicher geeignet schnell wieder auffüllen kann

Dazu muss man natürlich einige Annahmen treffen, da man die folgenden Fragen meist nicht genau beantworten kann:

  • Wo und zu welcher Jahreszeit wird man reisen?
  • Wieviele Stunden benötigt man täglich Licht, TV, …
  • Wieviel Strom verbraucht der Kühlschrank tatsächlich
  • etc.

Ist die Solar-Berechnung korrekt?

Hat man dann Berechnungen angestellt, stellen sich aber mehrere Fragen:

  • Ist die Berechnung korrekt?
  • Stimmen die zugrundeliegenden Annahmen?
  • Genügen die Reserven auch in der Praxis und bei widrigen Bedingungen?

Nun, nach einem halben Jahr, können wir dazu ein erstes Fazit bieten.

Unsere Solar-Anlage

Wir betreiben zwei Stück 220W-Module von Offgridtec an einem Victron Energy MPPT-Regler.

Sale Offgridtec SPR-Ultra-100 110W 12V High-End Solarpanel
Victron SmartSolar MPPT Laderegler 100/20 12V 24V 20A Solarladeregler Bluetooth integriert

Diese Anlage lädt ebenfalls zwei Stück 95Ah-AGM-Batterien. Letztere waren werkseitig schon verbaut, sonst hätten wir wohl auf Lithium-Ionen-Batterien gesetzt.

Gemäß der Faustregel, dass man herkömmliche Batterien nur etwa zur Hälfte regelmäßig entladen soll, um deren Lebensdauer nicht vorzeitig zu verringern, haben wir also de-facto 95Ah zur Verfügung, bevor die Batterien wieder geladen werden sollten.

Mehr zu unserer Spezial-Montage und der Solaranlage erfährst du hier.

Unsere Spezialkonstruktion für die Solar-Montage

Unsere Verbraucher

  • Wir betreiben einen Kompressor-Kühlschrank, der durchgehend in Betrieb ist, wenn wir den Camper nutzen. Dometic gibt eine mittlere Leistungsaufnahme von 45W an, doch das ist natürlich stark von den Umgebungstemperaturen abhängig.
  • Der Boxlife ist fast durchgängig mit LED-Lampen ausgerüstet. Der Energieverbrauch ist entsprechend gering, zudem benötigen wir (dank ebook-Readern) generell wenig elektrische Beleuchtung.
  • Eine Wasserpumpe für Frischwasser und Toilettenspülung haben wir natürlich auch.
  • In der kühlen Jahreszeit benötigt unsere Heizung (Truma Combi6) etwas Strom, und zwar gibt Truma hochpräzise 1.4A-6.5A an.
  • Wir laden relativ viele Geräte: Smartphones, Tablets, Laptops (irgendwo müssen die Blog-Artikel schließlich auch geschrieben werden) und Kamera-Akkus. Das machen wir direkt über 12V-Ladegeräte ohne Wechselrichter.

Fernseher betreiben wir im Wohnmobil nicht.

Unsere Art, zu reisen

Wir sind weder militante Campingplatz-Verweigerer, noch komfortsuchende Campingplatz-Liebhaber. Wir mögen es einfach und unkompliziert: Riesen-Camps mit „Unterhaltung“ meiden wir, wir suchen Ruhe. Daraus ergibt sich, dass wir auch oft dort Station machen, wo es schlicht keine Campingplätze gibt. Zudem benötigen wir oft auch das Angebot der Campingplätze nicht, wir haben schließlich alles mit dabei, wenn wir nur für eine Nacht Station machen.

Unser Kühlschrank soll problemlos durchlaufen, und wenn das Sortieren der Reise-Fotos mal wieder den Laptop-Akku geleert hat, möchte ich nicht jedesmal im Restaurant um eine Steckdose bitten müssen (das haben wir lange genug so gemacht). Wenn wir dann (für eine warme Dusche, zum Wäschewaschen, oder auch, weil uns ein Campingplatz gefällt) auf einem Stellplatz mit Strom Station machen, dann ist das ein Bonus, es soll aber möglichst nicht Voraussetzung sein. Daraus ergibt sich, dass wir autark sein wollen. Die Stromversorgung soll einfach gesichert sein, ohne, die nächsten Campingplatz-Stopps vorauskalkulieren zu müssen.

Geht der Plan nun auf?

Kurz zusammengefasst: Bislang voll und ganz, und darüber sind wir sehr glücklich.

Abgeschattete Solaranlage

Unsere Erfahrungswerte mit der Solaranlage am Wohnmobil

Unsere Erfahrungswerte wurden weder wissenschaftlich fundiert ermittelt, noch sind sie 1:1 auf andere umlegbar. Zu unterschiedlich sind die eigenen Ansprüche und Reisegewohnheiten. Doch als Anhaltspunkt können unsere Erfahrungen sicherlich auch dir dienen.

Unterwegs im Süden: August und September

Wir waren 2018 vier Wochen am Stück in Bosnien, Albanien, Griechenland und Serbien unterwegs, und waren in dieser Zeit nie an der Steckdose. Dabei waren sogar Campingplatz-Aufenthalte dabei: Doch es war schlicht nicht notwendig, das Kabel auszurollen.

Der Verbrauch im Sommer

Generell verbrauchten wir etwa 8-15% unserer Batterie-Kapazität pro Tag. Diesen Verbrauch ermittelt übrigens unser Victron-Batteriecomputer sehr exakt. Sollten wir also mal eine Steckdose benötigen, wissen wir das frühzeitig.

Victron BMV-712 Smart Batterie-Monitor Computer Überwachung
  • Mit integriertem Bluetooth - sehen Sie alle relevanten Daten direkt auf Ihrem Smartphone oder Tablet
  • Einfache Installation - kinderleichte Montage, auch ohne Fachkenntnisse
  • Überwachung der Mittelpunktspannung - wenn Batterien in Serie geschaltet sind, kann durch die Messung der Mittelpunkts Spannung eine rechtzeitige Warnmeldung erzeugt werden.
  • Sehr geringe Stromaufnahme von der Batterie - Stromverbrauch: 0,7 Ah pro Monat (1 mA) bei 12 V und 0,6 Ah pro Monat (0,8 mA) bei 24 V
  • 5 Jahre Gewährleistung- wie üblich bei Victron Energy-Geräten erhalten Sie auch hier eine üppige 5 Jahre Gewährleistung

Der Großteil davon entfiel sicherlich auf den Verbrauch des Kühlschranks, der an heißen Tagen schon zu arbeiten hatte. Auch Laptops und Smartphones wurden täglich geladen, schließlich gab es viele Bilder zu sortieren und Eindrücke aufzuschreiben.

Geparkt in der Sonne: Die Solaranlage ist gut versorgt

Die Leistung der Solaranlage im Sommer

Die erste Woche unserer Reise begann kalt und verregnet, doch das wurde durchs tägliche Kilometer-Abspulen (und das damit einhergehende Laden per Lichtmaschine) ausgeglichen, sodass wir hier noch wenig über die Leistung der Solaranlage lernen konnten.

In Albanien angekommen schien aber fast immer die Sonne, und wir kamen erstmals ins Staunen: Teilweise schon um 09:00 vormittags, spätestens aber gegen 10:30 waren unsere Batterien voll, und der Verbrauch des Vortags komplett ausgeglichen.

Victron Batteriecomputer: Anzeige des Ladezustands der Wohnmobil-Batterien

Die Solaranlage produzierte dabei etwa 170W, was beim theoretischen Maximum von 220W realistisch erscheint, schließlich sind die Module flach montiert, und wir parkten nie explizit so, dass der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen optimiert wurde.

Wir hatten nur wenige, bewölkte Tage, und so passierte es in vier Wochen nur ein einziges Mal, dass die Solaranlage den Verbrauch des Vortags nicht ausgleichen konnte. Am Ende fehlten ein paar Prozent, sodass die Batterien etwa 96% geladen waren. Am nächsten Tag war das schon wieder Geschichte.

Abschattung

Selbst wenn wir im Schatten geparkt waren, erzielten wir genügend Leistung, um den Tagesverbrauch auszugleichen.

Probleme mit Teilabschattung hatten wir keine. Stand die Sonne so tief, dass die Dachbox Schatten auf die Solarmodule warf, dann waren die Batterien immer schon vollgeladen.

Unterwegs im Herbst

Ende Oktober bis Anfang November verbrachten wir 10 Tage im kroatischen Premantura. Dort wurde alles aufgeboten, vom schönsten Wetter bis zum Herbststurm. Da der Strom obligatorisch in der Stellplatzgebühr enthalten war, und wir durch ständige Heizen einiges verbrauchten, waren wir meist am Landstrom.

Dennoch steckte ich mal einen Tag ab, um die Solaranlage zu testen. Auch zu dieser Jahreszeit waren die Batterien schnell wieder geladen – sofern die Sonne schien. Bei Bewölkung brach die Leistung natürlich ein. Ob es dennoch gereicht hätte, haben wir noch nicht ausreichend getestet.

Unterwegs im Frühling

Ok, astronomisch gesehen war das Wochenende vom 15. März noch Winter, doch die Temperaturen waren schon beinahe frühlingshaft. Ich nahm an einem Foto-Workshop im nahen Bruck an der Mur Teil, weshalb wir dort das Wochenende im Camper verbrachten. Nachts war es mit 3°C noch ungemütlich kühl, doch tagsüber erreichten die Temperaturen bereits 15-19°C.

Wir waren wirklich erstaunt, als wir aufwachten, und die Solaranlage bereits etwa 120W lieferte. Erneut waren die Batterien bereits am Vormittag zu 100% geladen. Allerdings war der Tag sonnig, bei Bewölkung hätte das Resultat sicher anders ausgesehen. Wir waren ohnehin nicht auf die Anlage angewiesen, da wir nur etwa 2.5 Tage unterwegs waren und diesen Zeitraum ohnehin mit den Batterien überbrücken können. Weitere Tests folgen.

Heizung und Kühlschrank gleichen sich aus

Ein interessanter Effekt ist, dass sich der höhere Verbrauch des Kühlschranks im Sommer mit dem Verbrauch der Heizung in etwa ausgleicht. Jedenfalls hatten wir im Sommer sowie im Frühjahr (technisch gesehen sogar noch im Winter) und Herbst in etwa denselben Tagesverbrauch. Im Sommer verbraucht der Kühlschrank viel, wir benötigen aber keine Heizung. In kaltem Wetter muss der Kompressor des Kühlschranks nur selten arbeiten, dafür verbraucht die Truma-Gasheizung aber etwas Strom.

Ist die Anlage also überdimensioniert?

Wenn die Batterien schon um 10:00 vormittags wieder vollgeladen sind, und die Anlage das sogar im Spätherbst und frühen Frühjahr noch schafft, heißt das dann, dass die Anlage unnötig groß ausgelegt wurde?

Nein, das ist die unbedingt benötigte Reserve.

Bislang hatten wir Wetterglück. Wir musste noch keine Perioden schlechten Wetters am selben Fleck überdauern. Solche hatten wir im Camper auch schon erlebt, z.B. 2014 am Gargano, wo es zwei Wochen hindurch eigentlich immer nur regnete, und die Sonne nur gelegentlich durchkam. In solchen Situationen ist es dann wichtig, die verfügbaren Sonnenstunden so gut wie möglich zu nutzen, um die Batterien wieder zu laden. Je größer die Batteriekapazität im Vergleich zum Verbrauch ist, desto länger kommt man ohne Nachladen aus.

Je schneller eine Solaranlage die Batterien laden kann, desto weniger Sonnenstunden benötigt man, um die Stromversorgung sicherzustellen. Eine größere Auslegung der Solaranlage und ein qualitativ hochwertiger Laderegler stellt dies sicher.

Je größer die Batterien im Vergleich zum täglichen Verbrauch sind, desto längere Perioden ohne Sonne können überdauert werden.

Bewölkung verringert die Leistung der Solaranlage massiv. Wenn Wolken über den Himmel zogen, fiel der Output teilweise von 160W auf etwa die Hälfte. Für uns kein Problem, da die Wolken nur temporär am Himmel waren. Reist man aber zu einer Jahreszeit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eines bewölkten Himmels kann dies natürlich eine große Auswirkung haben.

Tipps für die optimale Nutzung der Solaranlage

Wir haben versucht, den Verbrauch in den Nacht-Stunden, wo es keine Energiezufuhr durch die Solaranlage gibt, zu minimieren. Das bedeutet, dass Laptops, Kamera-Akkus und Smartphones nicht nachts, sondern tagsüber geladen werden sollten, wo man idealerweise etwas überschüssige Solarenergie zur Verfügung hat. Diese überschüssige Energie kann dann für das Aufladen der Kleingeräte genutzt werden. So stellt man sicher, dass die Batterien morgens so wenig wie möglich entladen sind. Kommt dann schlechtes Wetter, ist man nicht gleich in der Bredouille.

Fazit

Wir sind sehr zufrieden mit unserer Solaranlage. Sie war durch die selbst ausgesuchten Komponenten relativ günstig im Vergleich zum Händlerangebot und nützt die verfügbare Dachfläche ideal aus. Die Solaranlage erlaubt uns in den warmen Jahreszeiten völlig autarkes Campen auch über längere Zeiträume. Wie gut die Leistung auch noch im Herbst und Winter ist, hat uns überrascht. Auch wenn dies gar nicht unser Ziel war, ist es doch angenehm, Reserven für kühle Camping-Reisen zu haben.

Letzte Aktualisierung am 22.08.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API